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Eine Schicksalsstunde für die Donauschwaben vor 70 Jahren: Beginn der Waffen-SS-Aktionen in Ungarn

von Prof. Dr. Georg Wildmann

 

Schon 1939 hatte Reichsführer SS Heinrich Himmler die SS-Verfügungstruppe und die Totenkopfverbände in die Waffen-SS umgewandelt. Fortab nahm diese  auch „Germanen anderer Stämme“ in ihre Reihen auf. Hitler wollte noch am 6. August 1940 in einem Geheimerlass erwirken, dass die Waffen-SS eine Art Truppenpolizei sei, die die Autorität des Reiches im Inneren durchzusetzen hätte, doch richtete Reichsführer-SS Heinrich Himmler schon am 15. August das „Führungshauptamt“ der SS ein, das für den Ausbau einer militärischen, an der Front einsetzbaren Waffen-SS-Einheit sorgen sollte. Gottlob Berger1, der Leiter des SS-Hauptamtes, ordnete schon im Frühjahr 1940 an, 1000 Freiwillige aus Rumänien und 500 aus Ungarn zu rekrutieren. Die Aktion sollte "unter dem Vorwand der Beschäftigung im Reich" ablaufen. Diese, auch als „1000-Mann-Aktion“ abgelaufene Werbung in Ungarn und Rumänien war aber illegal. Die Führung des Volksbundes der Deutschen in Ungarn unter Volksgruppenführer Franz Basch2 wollte damit nichts zu tun haben und behauptete, von Weggang der jungen Leute keine Kenntnis zu haben. Der deutsche Gesandte in Ungarn, Dietrich von Jagow3, sah die Situation kritisch und schlug die Rücksendung der jungen Leute vor4. Auf Veranlassung des deutschen Auswärtigen Amts und der „Volksdeutschen Mittelstelle der SS“ (stets mit VOMI abgekürzt) wurde Vorsorge getroffen, dass getarnte illegale Anwerbungen für die Waffen-SS fortab nicht mehr stattfanden5.

Nach dem Krieg mit Jugoslawien im April 1941 setzten sich junge Leute aus der an Ungarn gefallenen Batschka aus eigenen Stücken illegal ab und wurden auch aufgenommen. Zum Zeitpunkt 1. Oktober 1941 befanden sich aus der Batschka bereits etwa 2.000 Deutsche bei der Waffen-SS und 1.500  bei der deutschen Wehrmacht.

Als die Reichsführung SS erkannt hatte, dass der Weg der illegalen Werbung zu keinem Erfolg bezüglich Rekrutenzahlen führte und Schwierigkeiten mit den Verbündeten mit sich brachte, erreichte sie die Zustimmung des Reichsaußenministers Joachim von Ribbentrop, eine legale Werbeaktion in Ungarn durchzuführen. Die Verhandlungen mit der ungarischen Regierung setzten zu Jahresbeginn 1942 ein. Himmler hatte in innerdeutschen Machtkämpfen seine Waffen-SS als die für Volksdeutsche allein in Frage kommende Truppe durchgesetzt. Aus Ungarn und Rumänien versprach sich die deutsche Seite ein Höchstkontingent von jeweils 30.000 Mann. Der schon bald nach der Aufteilung Jugoslawiens mit dem Unabhängigen Staat Kroatien ausgehandelte Vertrag vom 16. September 1941 hatte der Waffen-SS von jedem Jahrgang der wehrfähigen Volksdeutschen 10 Prozent zugesichert6.

Die ungarische Regierung, namentlich ihr Chef, Ministerpräsident László Bárdossy, ging nicht ungern auf die Werbeaktion ein, stellte allerdings Bedingungen, in erster Linie die, dass die in die Waffen-SS Eingetretenen die ungarische Staatsbürgerschaft verlieren und dafür die deutsche bekommen müssten. Dass dadurch die radikaleren jungen Deutschen der Volksgruppe verloren gehen mussten, erschien der ungarischen Seite sogar als Vorteil. Einerseits konnte man agile Elemente aus dem Volksbund und der deutschen Minderheit loswerden, anderseits ergab sich die Möglichkeit, ungarische Kampftruppen an der Ostfront zu schonen. War doch der deutsche Generalstabschef Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel im Januar in Budapest zu Verhandlungen über die Beteiligung Ungarns am Feldzug gegen die Sowjetunion und die Angeworbenen der SS-Aktion konnten dem ungarischen Truppenkontingent zugerechnet werdeni. Schließlich führte sich die Nachgiebigkeit der ungarischen Regierung in den SS-Angelegenheiten auch darauf zurück, dass Ungarn allein in Deutschland den Garanten für die Beibehaltung jener Gebiete sah, die es durch den Wiener Schiedsspruch vom 30. August 1940 von Rumänien erhalten hatte und die der rumänische Staatschef Marschall Ion Antonescu immer wieder zurückforderte.

Der Bedarf der Deutschen Wehrmacht an Soldaten nach Beginn des Feldzugs gegen die Sowjetunion veranlasste die deutsche Führung, alle Bedingungen der ungarischen Regierung anzunehmen7. Dem Volksgruppenführer der Ungarndeutschen, Franz Basch, wurde schon Ende Januar durch Hermann Behrends dem damaligen stellvertretenden VOMI-Chef, jeglicher „Volkstumskampf“ untersagt, da alles dem gemeinsamen Kampf Ungarns und Deutschlands unterstellt werden müsse. Offenbar betrachtete die SS-Führung gemäß den elementaren Grundsätzen der NS-Weltanschauung die Ungarndeutschen  als Angehörige der einen deutschen „Volksgemeinschaft“. Sie sprach der Volksgruppenorganisation der Ungarndeutschen nur die Funktion eines gehorsamen Exekutivorgans im deutschen Volksganzen zu, welches in einem Existenzkampf stand und daher „Gleichschaltung“ verlangen durfte. In diesem Sinne wurde die erste Vereinbarung am 12. Februar 1942 geschlossen. Der Volksbund besaß bei den Verhandlungen keine Parteienstellung. Die deutsche Volksgruppe in Ungarn durfte ihr Schicksal offiziell nicht mitentscheiden.

Die Werbeaktion der SS, zumal in einem fremden Land, beruhte auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit der sich Meldenden. Da Ungarn nicht zuließ, dass die SS selbst wirbt, wurde zur undankbaren Aufgabe der Werbepropaganda der Volksbund verdonnert, der insgesamt gesehen angesichts des absehbaren Verlustes an ethnischer Substanz nicht sonderlich begeistert agierte8. Basch konnte wenigstens die Volksbundführer sowie Lehrer und Schüler der deutschen Lehrerbildungsanstalt in Neuwerbass vom Einrücken abhalten9. In den neu erworbenen Gebieten Ungarns, wie der Batschka, war der Druck, der von den Volksbundortsgruppen und Teilen der Dorfbewohnerschaft ausging, so stark, dass sich diejenigen, die sich der Assentierung nicht stellen wollten, oft nur durch zeitweises Untertauchen bei Andersnationalen der Umgebung entziehen konnten.

Unter den Donauschwaben der angegliederten Batschka kann man jedenfalls vier Kategorien von Einstellungen gegenüber der Werbung zur Waffen-SS feststellen. Es gab weltanschaulich motivierte echte Freiwillige, die so ihre „völkische Pflicht“ zu erfüllen gedachten und im Kampf für das Reich ein großes Ideal sahen und wohl auch überzeugt waren, dass das Schicksal des Auslandsdeutschtums engstens mit dem des Reiches zusammenhängen würde; es waren dies in erster Linie die aktiven Kulturbund- bzw. Volksbundmitglieder. Es gab nüchtern kalkulierende „Willige10, die sich der drohenden Einberufung zur Honvéd ausgesetzt sahen und nicht ohne Grund deren Schikanen fürchteten, so dass es ihnen besser erschien, im deutschen Heer zu dienen. Diese rechneten auch mit der besseren Bewaffnung des deutschen Militärs, mit der besseren Verständlichkeit der deutschen Kommandosprache und den versprochenen höheren Versorgungssätzen ihrer Angehörigen. Nicht zuletzt fürchteten sie, von der ungarischen Führung zwecks Schonung des „magyarischen Blutes” bewusst in die vorderste Frontlinie geschickt zu werden – die Erwartung größerer Überlebenschancen und wirtschaftlicher Vorteile. Es gab die Gezwungenen, die – in der Batschka zumeist von Angehörigen der „Deutschen Mannschaft“ – unter psychischer und physischer Gewaltanwendung zusammengeholt und vor das Stellungskommando gebracht wurden; die sich in ihr Schicksal fügten, weil sie annahmen, dass der Militärdienst unvermeidbar sei. Es gab schließlich nicht wenige Verweigerer, die zeitweise bei Andersnationalen untertauchten und nach Weggang der Stellungskommandos wieder ins Dorf kamen11.

Der Batschka kam im gesamten ungarndeutschen Wehrpotential der höchste Stellenwert zu. Das erhellt schon aus dem Ergebnis der am 3. April 1942 abgeschlossenen Muste­rung der ersten Werbeaktion12.

Dieses Ergebnis genügte Himmler nicht. So drängte er auf eine zweite Aktion, die vom neuen Ministerpräsidenten Miklós Kállay13 schon während dessen Deutschlandreise im Juni 1942 verlangt wurde. Kállay versprach Ribbentrop weitere 10.000 Volksdeutsche für die Waffen-SS. Basch erhob umsonst Bedenken. Um Ungarn günstig zu stimmen, winkte Hitler gegenüber Generalstabschef Ferenc Szombathelyi14 erneut mit Umsiedlungsplänen, nachdem ihm der ungarische Reichsverweser Nikolaus Horthy schon nach seiner – Hitlers – Umsiedlungsrede im Herbst 1939 die Ungarndeutschen direkt angeboten hatte. Am 17. April 1943 stimmte Horthy schließlich zu, die Werbung auch auf die in der Honvéd dienenden Deutschen auszudehnen, was ungarischerseits vorher strikt abgelehnt worden war. Hitler und Ribbentrop versprachen Horthy nämlich nochmals, die Freiwilligen würden sofort die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und ihre Familien würden „sukzessive“ nach Deutschland transferiert werden15. Die Diplomatie hatte in der Folge alle Hände voll zu tun, um diese Frage wenigstens für eine spätere Zukunft offen zu lassen.

Das neue Abkommen trat am 1. Juni 1943 in Kraft. Es betraf die Deutschen von 18 bis 35 Jahren. Ungünstig wirkte sich die Kriegslage aus, die immer deutlicher an eine mögliche Niederlage Deutschlands und seiner Verbündeten denken ließ. Ungarn lehnte um diese Zeit die Erhöhung seines Truppenkontingents für die Ostfront ab. Mit  der Zustimmung zur Anwerbung durch Kállay und Horthy wird ersichtlich, dass die ungarische Regierung mit der SS-Rekrutierung der Ungarndeutschen ihren Kriegsbeitrag als endgültig beglichen bewertete.

Wie viele sich bei der zweiten Aktion, die sich bis Anfang 1944 hinzog, tatsächlich meldeten, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Die vom ungarischen Historiker Loránt Tilkovszky genannte Zahl von 20.00016 scheint dem Autor dieser Zeilen zu hoch gegriffen zu sein.

Als Ungarn Anfang 1944 einen Sonderfrieden mit den Alliierten anstrebte, gelang es Hitler, den Sturz des Kabinetts Kállay zu erzwingen und nach dem Einmarsch der deutschen Truppen am 19. März 1944 in Ungarn zu erreichen, dass der Deutschland wohlgesonnene Gesandte in Berlin, Döme Sztójay17, Ministerpräsident wurde. Nun konnte man einen Schritt weitergehen und einen Vertrag schließen, der eine Zwangsrekrutierung zur Waffen-SS ins Auge fasste: die dritte Aktion im ungarischen Raum. Der Vertrag kam am 14. April 1944 zustande. Mit ihm trat Ungarn seine Wehrhoheit über seine volksdeutschen Bürger an das Deutsche Reich ab und verlagerte die Ableistung der gesetzlichen Wehrpflicht auf die Waffen-SS. In den Verhandlungen sagte Sztojay wörtlich: „In den volksdeutschen Gebieten können Sie mustern, wen Sie wollen ...” Die mit den beiden ersten Aktionen verbundene Aberkennung der ungarischen Staatsbürgerschaft wurde rückgängig gemacht. Die Musterungen fanden hauptsächlich im August 1944 statt und betrafen die Altersgruppe von 18 bis 50 Jahren. Die Einberufungen folgten innerhalb weniger Wochen, zumal mit dem Übergang Rumäniens zu den Alliierten am 23. August 1944 die militärische Situation im Südabschnitt der Ostfront für Ungarn und die deutschen Verbände sich schlagartig verschlechterte. 

Im Zuge der dritten Aktion stellte sich die Frage, wer als Deutscher zu gelten habe. Nach einigem Hin und Her einigte man sich auf die Formulierung: Als Deutscher gilt, „wer sich durch seine Lebensweise und seine Volkstumsmerkmale als solcher zeigt oder sich freiwillig als Deutscher bekennt."18 Wer aber sollte das entscheiden? Der Volksbund musste wohl Listen vorlegen, die letzte Entscheidung aber traf das Honvédministerium, das sich seinerseits auf Gutachten der Gemeindenotare (Gemeindesekretäre) stützte, die je nach ihrer Einstellung mehr oder weniger Bürger ihrer Wirkungsorte als Deutsche einstuften. Diese, auch von der ungarischen Gendarmerie und Waffen-SS-Kommandos nötigenfalls mit Abhol- und Suchmaßnahmen erzwungene Aktion ergab nahezu 60.000 Einberufungen. Begreiflicherweise regte sich dagegen besonders unter jenen, die keine Mitglieder des Volksbundes oder dessen Gegner waren, ein meist aussichtsloser Widerstand. Die überwiegende Mehrheit der Wehrpflichtigen rückte im September und Oktober 1944 ein.

Der ungarndeutsche Historiker Anton Tafferner gibt als Kriegsverluste der Ungarndeutschen bzw. Donauschwaben, die als Soldaten in deutschen Verbänden und in der ungarischen Honvéd dienten, mit 36.000 Toten und 3.500 Vermissten an.19

 


 

1 Gottlob Berger (1896-1975), SS-Obergruppenführer und Leiter des SS-Hauptamtes, einer der wichtigsten Mitarbeiter Heinrich Himmlers. Möglicherweise griff er die Idee, die Volksdeutschen Rumäniens, Ungarns und Jugoslawiens für die Waffen-SS zu rekrutieren aufgrund einer Anregung seines Schwiegersohnes Andreas Schmidt auf. Jedenfalls realisierte er sie mit Zähigkeit. Ende August 1944 mit der Niederschlagung des Aufstandes in der Slowakei befasst. Im Zuge der alliierten Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg 1949 zu 25 Jahren Haft verurteilt, frühzeitig entlassen.

2 Franz Anton Basch, ungarndeutscher Volkspolitiker, geb. in Zürich 13.07.1901, hingerichtet in Budapest 27.04. 1946, aufgewachsen in Hatzfeld, rum. Banat, Dr. phil. in Germanistik und Hungaristik, Schüler des Volkspolitikers Dr. Jakob Bleyer, als solcher Sekretär des „Ungarländisch Deutschen Volksbildungsvereins“, Gegner der Namensmagyarisierung, 1935-38 Führer der „Volksdeutschen Kameradschaft“, 1938 Vorsitzender des „Volksbundes der Deutschen in Ungarn“, ohne sein Zutun wurde 1940 im Rahmen des 2. Wiener Schiedspruchs“ (Sathmar Nordsiebenbürger und Seklerland von Rumänien an Ungarn) auf Anordnung Hitlers und Himmlers der  Volksbund zur Volksgruppenorganisation aller Ungarndeutschen gemacht, Basch nunmehr Volksgruppenführer und Befehlsempfänger der VOMI. Bezeichnete sich selbst als „Völkischen“ (Erhaltung des Deutschtums in Ungarn) und die Spitzenleute, die sich zum NS bekannten, als die „Weltanschaulichen“. Mit Rücksicht auf die ungarische Regierung von der VOMI im Amt gehalten. Auf ungarisches Verlangen von den Amerikanern aus Oberösterreich als „Kriegsverbrecher“  ausgeliefert, zum Tode verurteilt und erschossen.  

3 Dietrich von  Jagow (1892-1945), Früh in der NSDAP, 1933 Polizeikommissar in Stuttgart, dann Leiter der SA in Berlin, ab Juni 1941 Gesandter in Budapest. Als solcher unterstand er dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop. SA-Leute sollten den Einfluss der SS im Südosten einbremsen, so die Intention Ribbentrops, was offenbar nicht gelang. Im März 1944 wurde Jagow von Edmund Veesenmayer abgelöst. 

4 AA D VIII 170 g.  (AA steht für das Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes)

5 AA D VIII 222/41 g.

6 Vgl. Oberkersch, Valentin: Die Deutschen in Syrmien, Slawonien, Kroatien und Bosnien, München 1989, S. 400f. Die Masse der übrigen dienstpflichtigen Volksdeutschen sollte in deutschen Einheiten innerhalb der kroatischen Wehrmacht dienen.

i Vgl. Aufzeichnung Franz Luthers, PA AA Inl. II. g. 293. (PA steht für „Politisches  Archiv“ des Auswärtigen Amtes in Bonn)

7 Die Waffen-SS verlor an der Ostfront zwischen dem 22. Juni und dem 19. November 1941 1.239 Offiziere und 35.377 Mann, darunter 13.037 Tote. Himmler musste für seine „elitäre Parteiarmee“ nunmehr auch Ausländer anwerben, wohl zunächst eine ungewöhnliche, dann aber zunehmend praktizierte Vorgangsweise. Vgl. Höhne, Heinz: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS, Augsburg 1997, S. 437f.

8 SS-Obersturmbannführer Viktor Nageler vom Ergänzungskommando Pressburg stellte die Musterungskommissionen zusammen, der auch Vertreter der Honvéd und der Verwaltungsbehörde angehörten. Das Reich verpflichtete sich, für den Unterhalt der Angehörigen der Soldaten aufzukommen.  

9 Donáth, Péter: Iskola és Politika (Schule und Politik), Budapest 1996, S. 148.

10 Den Begriff "Willigkeit", der nach fundamentalethischen Kriterien eine Abschwächung der Freiwilligkeit einer Handlung durch Faktoren wie Furcht vor schlimmen Folgen für die eigene Person und/oder Angehörige, Furcht vor Schmerz, vor Verlust des guten Rufs usw. gut zum Ausdruck bringt, wurde im Zusammenhang mit der Frage der Waffen-SS-Aktionen unter den Volksdeutschen unseres Wissens erstmalig von Johann Wüscht in Anwendung gebracht, vgl. Wüscht, Johann: Beitrag zur Geschichte der Deutschen in Jugoslawien  1934 bis 1944. Aktenmäßige Darstellung, Selbstverlag, Kehl a. Rh., 1966, 99f.

11 Vgl. Arbeitskreis Dokumentation, Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948. Die Stationen eines Völkermords, (Hauptautor Georg Wildmann, Herausgeber: Donauschwäbische Kulturstiftung – Stiftung des privaten Rechts – München), München 1998, S. 22. 

12 Vgl. Böhm, Johann: Die Ungarndeutschen in der Waffen-SS. Innen- und Außenpolitik als Symptom des Verhältnisses zwischen deutscher Minderheit und ungarischer Regierung, Ippesheim 1990, S. 84; PA im AA, Inland II g 325 Bd. 1. Deutsche Gesandtschaft Budapest, 23. April 1942, an das AA Berlin, E 313886.

13 Miklós Kállay (1887-1967), Großgrundbesitzer, Obergespan des Komitates Szabolcs, hierauf Staatsekretär im Handelsministerium. Unter Gömbös Landwirtschaftsminister, Rücktritt als Anhänger Bethlens 1935, Ministerpräsident 1942-1944, Befürworter des Kriegsaustritts. Nach Machtübernahme der Pfeilkreuzler im Oktober 1944 gefangen und  nach Dachau und Norditalien deportiert, lebte in Italien und ab 1953 in den USA.

14 Ferenc Szombathelyi (1887-1946), ursprünglich Franz Knausz, Sohn des Schuhmachers Knaus aus Raab/Györ, Militärakademie in Wien, 1934 Annahme des mütterlichen Familiennamens, mit 6. Sept. 1941 Generalstabschef der Honvéd. Wegen der unter der Besetzung der Batschka nach dem Aprilkrieg 1941 von der Honvéd vorgenommenen Erschießungen von Serben, besonders solcher aus Neusatz/Novi Sad, von einem jugoslawischen Volksgericht 1946 in Neusatz zum Tode verurteilt und hingerichtet. Versuchte, die ungarischen Streitkräfte im Krieg gegen die Sowjetunion möglichst zu schonen.

15 Vgl. Norbert Spannenberger, Der Volksbund der Deutschen in Ungarn 1938-1944 unter Horthy und Hitler, München 2002, S. 361.

16 Tilkovszky, Loránt: SS-táborzás Magyarországon (SS-Werbung in Ungarn), Budapest 1974, S. 168.

17 Döme Sztójay (1883-1946), geb. in Werschetz/Vršac, serb. Banat, Offizier, Diplomat, Ministerpräsident. Abwehroffizier der ung. Armee, Militärattaché in Berlin, 1935 Gesandter in Berlin; legt seinen serbischen Namen Stojakovics ab. Nach Besetzung Ungarns am 19. März 1944 durch deutsche Wehrmacht Ministerpräsident. 1946 vom Volksgericht zum Tode verurteilt.

18 AA Inl II 812 g E 518573.

19 Anton Tafferner, Verschleppung aus Ungarn 1944/45, in: Josef Schmidt (Hg.), Die Donauschwaben 1944-1946. Beiträge zur Zeitgeschichte, München 1968, S. 80f.

Zum gesamten Fragenkomplex siehe auch: Georg Wildmann: Donauschwäbische Geschichte, Band III: Die Tragödie der Selbstbehauptung im Wirkfeld des Nationalismus der Nachfolgesaaten 1818-1944, München 2010, S178-192 und S. 209f.