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Erinnerungstag der Heimatvertriebenen in OÖ am 11. Juni 2011

Auch beim diesjährigen Erinnerungstag der Heimatvertriebenen in Oberösterreich am 11. Juni in Marchtrenk sprach Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer Klartext. Wie er in einem TV-Interview erklärte, sieht er es sehr positiv, dass viele junge Menschen aus der dritten Generation die Erhaltung und Verbreitung der Geschichte ihrer Vorfahren beibehalten, „denn die Vergangenheit kann man nicht bewältigen, man kann aber eines tun: Man kann aus ihr die richtigen Lehren ziehen – und das soll man auch tun, indem man die Geschichte wach hält und sich mit ihr auseinandersetzt“ sagte er. Zudem sieht sich das Land Oberösterreich in einer Vorreiterrolle beim Thema Heimatvertriebene. Wörtlich sagte der Landeshauptmann dazu: „Ja wir sind bei den Heimatvertriebenen in einer VORREITER-ROLLE, weil wir in Oberösterreich aufgrund der vielen Heimatvertriebenen gemerkt und gesehen haben, welch wertvollen Beitrag sie beim Wiederaufbau geleistet haben und wie intensiv sie die Geschichte unseres Landes mitgestaltet haben.

» Oberösterreich ist bei den Heimatvertriebenen in einer Vorreiter-Rolle «

Zu Beginn seiner Festansprache ging LH Dr. Josef Pühringer auf das Anliegen von Anton Ellmer, dem Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich, ein. Ellmer hatte in seiner Ansprache das Ziel ausgegeben, das Thema Flucht und Vertreibung im Schulunterricht zu behandeln sowie den Erinnerungstag für Heimatvertriebene österreichweit einzuführen und LH Dr. Pühringer um seinen Einsatz für dieses Unterfangen gebeten.

Dr. Pühringer versicherte seine Unterstützung: „Diese Aufgabe will ich gerne annehmen. Ich halte das für wichtig und gerechtfertigt. Am Bemühen und an Initiativen wird es nicht fehlen.“ Der Landeshauptmann wies auf den wichtigen Beitrag der Heimatvertriebenen für die politische Stabilität der Zweiten Republik hin: „Sie, die alles verloren hatten, wussten um den Wert des privaten Eigentums, sie lehnten daher kommunistische Modelle entschieden ab.“ Außerdem zollte Dr. Pühringer den Vertriebenen ein Lob für ihren Einsatz in der alten Heimat, indem er feststellte:

„Schon lange vor der europäischen Wende haben sie in ihrer alten Heimat geholfen. Nach der Öffnung des ‚Eisernen Vorhangs‘ waren die Heimatvertriebenen die ersten, die in die Nachbarländer Mittel-, Ost- und Südosteuropas fuhren. Was sie alles in ihrer früheren Heimat geleistet haben, an unzähligen positiven Begegnungen mit den Menschen, die heute dort leben, die materielle Hilfe für den Wiederaufbau jener Orte, Kirchen und Friedhöfe, denen sie sich verbunden fühlen, ist kaum messbar. Das war und ist alles nicht selbstverständlich. Auch dafür gilt es Danke zu sagen.”

Ferner machte der Landeshauptmann deutlich, dass Diskriminierung in der Europäischen Union nicht hinnehmbar ist. Wörtlich sagte er u.a.:

„Europa ist aber kein Raum für Dekrete aus der Welt der 40er-Jahre. Diese Dekrete, sowohl von Herrn Benes oder AVNOJ, die heute noch diskriminieren, diese Dekrete sind ein Stachel in der Wertegemeinschaft Europa. Europa ist nicht mehr das Europa der 40er-Jahre. Das ist eine rein moralische Frage, eine Frage von Würde und Werten, nicht eine Frage von Wiedergutmachung. Wir Oberösterreicher haben die Erfahrung gemacht: Wahrheiten auszusprechen, Wahrheiten anzunehmen, das bringt Respekt, Partnerschaft, Achtung. Wahrheiten auszusprechen heißt Wunden zu heilen. Wahrheit, Erinnerung, nicht vergessen werden, das wünschen sich die Opfer, in welchem Land Europas auch immer, ob in Russland, Polen, in der Tschechischen Republik, aber ebenso in den Niederlanden oder Italien. Genau das wünschen sich aber auch die deutschsprachigen Heimatvertriebenen.”

Zur Veranstaltung schreibt Frau Susanne Paulus, Wien, u.a.:  >… ein riesiger Saal, zum Bersten voll, hunderte strahlende, manchmal andächtige Gesichter. So viel Gemeinsamkeit, so viele geteilte Schicksale, so viel Nähe und Dynamik: Heimatvertriebene zu Hause, wenn auch nicht „daheim“. Lieder und Tänze umkränzen Festreden und Ehrungen, der Rhythmus von Sprache, Tanz und Gesang lässt nichts von alledem lang erscheinen. Die gute Laune und Spontaneität der Moderatorin Silvia de Carvalho-Ellmer pflanzt sich im Publikum fort. In den Reden von Landesobmann Ing. Ellmer und Landeshauptmann Dr. Pühringer werden die Vergangenheit angesprochen, die Gegenwart beleuchtet, die Zukunft beschworen. Ganz konkret, mit Bitten, Einforderungen, Zusagen, sogar Gelöbnissen! Den oberösterreichischen Donauschwaben ist es sehr ernst mit ihren Anliegen. So wird über die Forderung der Aufnahme der Geschichte der deutschsprachigen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schulbücher nicht verhandelt, sondern wird vorausgesetzt. Die österreichweite Durchführung des Erinnerungstages wäre ein weiterer Herzenswunsch. Der Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich packt viel hinein in den Rucksack des Landeshauptmannes. Er wird ihn gewiss weit tragen

Geschichte, Politik, Tradition und Kultur der Heimatvertriebenen, gespiegelt in Vergangenheit und Zukunft, waren die Säulen dieses denkwürdigen Nachmittags in Marchtrenk. Genau das sind die Säulen aller Vertriebenenverbände: Sie definieren sich aus der Vergangenheit, können jedoch nur dann den Generationenwechsel unbeschadet überstehen und auch in Zukunft ihr Profil bewahren bzw. neu schärfen, wenn die – manchmal auch schmerzlichen und harten – Fakten aus der Vergangenheit aufgezeigt, den Zeitzeugen zugehört und offen, objektiv und den Erkenntnissen der heutigen Zeit entsprechend verantwortungsvoll dieses Wissensgut weiter tradiert wird.

In diesen gemeinsamen Stunden des Erinnerns traf „damals, weißt du noch, daheim“ auf „heute, hier und jetzt“. So wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen den Generationen ebenso beschlossen wie eine Intensivierung der Kontakte der (Jungen-)Donauschwaben in Oberösterreich und Wien mit der Donauschwäbischen Kulturstiftung in München. < Dieser Beitrag gehört bereits zum vereinbarten gemeinsamen Programm.