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Unsere Jugend am Wort:

Beitrag von Thomas Lindlbauer, 17 Jahre

 

Das Schicksal der Heimatvertriebenen aus heutiger Sicht

66 Jahre ist es her, seit der 2. Weltkrieg vorbei ist. „Unvorstellbar“, mehr fällt mir als Beschreibung nicht ein. Etwa 20 Jahre ist es her, seit der Eiserne Vorhang gefallen ist und auch dieses Ereignis geschah, bevor ich (1994) geboren wurde.

Keines dieser – meiner Meinung nach – wichtigsten Ereignisse des 20. Jh. habe ich miterlebt und daher habe ich absolut gar keinen Bezug zu diesen historisch prägenden Geschehnissen im Gegensatz zu meinen Vorgenerationen, die zumindest den Fall des Vorhangs und damit das Ende eines geteilten Europa miterleben konnten.

Ich erwähne diese historischen Fakten deshalb, um ihnen, liebe Leser, die in größter Zahl doch um einiges älter und erfahrener sind als ich, zu zeigen, dass schon einige Zeit vergangen ist, seit diese Ereignisse passiert sind und das sich viele junge Leute in meinem Alter Begriffe wie „Krieg“, „Vertreibung“ oder „Ost- West-Block“ gar nicht mehr vorstellen können. Wir wachsen im Frieden auf und es ist für uns selbstverständlich, dass die Beziehungen innerhalb Europas so stabil sind, dass ein Krieg, zumindest innerhalb der Europäischen Union undenkbar ist, ja sogar lächerlich wirkt und genauso ist es schon eine Seltenheit, bei ewig langen Grenzkontrollen zu warten. Aber wie kommt es dazu, dass sich früher die einen kaum den Reichtum und heute die anderen kaum die Armut vorstellen können?

Die Welt ist im Wandel, und zwar rasant! 

Wissenschaft, Technik, Politik und auch die Wirtschaft verändern sich ständig, bringen neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, und dies immer schneller und schneller. Eine Erfindung jagt die nächste und was heute aktuell ist, ist morgen schon veraltet. Die Modernisierung beherrscht den Alltag und rückt das in die Ferne, was historisch eigentlich noch so nah ist. (Es ist z. B. keine Seltenheit, dass eine schmunzelnde Nostalgie entsteht, wenn sich so mancher Informatiker oder normaler EDV-Benutzer an die Veröffentlichung des Internets in seiner „primitiven“ Ur-Form zurückerinnert. Und das ist erst gut 20 Jahre her [1990].)

Mir persönlich geht das viel zu schnell. Es leben Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort miteinander, die von ihren Vorstellungen und Erlebnissen weiter auseinander sind, als je zuvor. Die einen sind von den Erlebnissen der Vertreibung und des Krieges ein Leben lang geprägt, die anderen wissen zum Teil nicht einmal, was damals passiert ist, geschweige denn, wie es sich anfühlt, ständig der Gefahr eines möglichen

Krieges ausgesetzt zu sein (Kalter Krieg) oder ihn zu erleben. Und das gab mir zu denken. Das war der Punkt wo ich mir gesagt habe, dass ich mich damit beschäftigen möchte, was vor gut 60, 70, 80 Jahren passiert ist. Nicht deshalb, weil die Geschichte immer so spannend ist, sondern weil es noch Menschen gibt, die noch davon berichten können.

Das ist ihre Geschichte, ihre Erlebnisse und sie leben mitten unter uns. Durch ihr damaliges Handeln sind sie mitverantwortlich dafür, dass es uns heute so gut geht. Weil sie kräftig mitangepackt haben und das zerstörte Österreich und Deutschland wieder mit aufgebaut haben, und weil sie in ihrer „Charta der Heimatvertriebenen“ auf Europa statt auf Rache setzten, können wir heute im Wohlstand und Sicherheit leben. Andere Vertriebenengruppen in anderen Teilen der Welt (z.B. die Palästinenser) haben sich bekanntlich weniger konziliant verhalten.

Und wenn ich das einmal von dieser Seite betrachte, dann ist es mir nicht egal, wer meine Eltern und v. a. Großeltern sind und woher sie kommen, sondern ich fühle mich ein Stück weit dazu verpflichtet ihnen Dankbarkeit und Wertschätzung zu zeigen, indem ich mir anhöre was sie erlebt haben, indem ich mich informiere was passiert ist und indem ich beginne, mir vorzustellen, wie es damals gewesen ist und darüber nachdenke, wie ich mich gefühlt hätte. Ich appelliere daher besonders an die jungen Leute, es als Geschenk zu betrachten, von Zeitzeugen persönlich noch die Wahrheit von ihrem schweren  Schicksal der Entrechtung, der Enteignung, der Internierung in Vernichtungslagern mit den entsetzlichen Folgen, oder von ihrer Flucht ins Ungewisse – also von dieser wichtigen und prägenden Zeit erzählt zu bekommen.

Das ist eine Chance, sich das Unvorstellbare – wenn auch nur ein bisschen – vorstellbar zu machen. Darüberhinaus haben wir Nachkommen der Donauschwaben in fernerer Zukunft die Verpflichtung, für die Wahrheit vom schweren Schicksal unserer Vorfahren einzutreten, denn diese findet man derzeit nach wie vor in keinem Schulbuch – dazu ist es aber Voraussetzung, sie auch wirklich zu kennen.

Abschließen möchte ich meine Worte mit einem Zitat von Robert A. Heinlein:

 Eine Generation, welche der Geschichte keine Beachtung schenkt, hat keine Vergangenheit und keine Zukunft!