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Oberösterreich als „Geburtshelfer“ der Volksgruppe der Donauschwaben

A) Oberösterreich und die Befreiung Belgrads

Obwohl von weltpolitisch  historischer Bedeutung, ist es in Oberösterreich kaum bekannt, dass Prinz Eugen bei der Entscheidungsschlacht um Belgrad im Sommer 1717 auf oberösterreichische Unterstützung „gebaut“ hat, hatte er doch mit hauptsächlich aus den oberösterreichischen Schiffswerften stammenden Zillen die viel besungene Ponton-Brücke gebaut, die seine Armee über die Donau zum entscheidenden Sieg über die Türken trug.

Der Wiener Hofkriegsrat hatte schon in den Jahren 1712 bis 1716 in den oberösterreichischen Schiffswerften an der Traun Zillen nach exakt vorgegebenen Plänen zum Transport der Armee bestellt, welche vor der Schlacht östlich von  Belgrad „vernetzt“ um die Temes-Mündung auf der Banater Donauseite lagen. Diese ergänzte der Feldherr für sein Vorhaben durch die Beschlagnahme jener Schiffe aus Oberösterreich - darunter zahlreiche aus Stadl Paura und Traun *) - die ihre Ladung bei Belgrad gelöscht hatten und ebenfalls hier vor Anker lagen.

Wenn man sich die Übermacht der Türken und die fast aussichtslose Lage, in welcher sich der Prinz in dieser extrem kritischen Situation befand, vorstellt, kann man fest davon ausgehen, dass das „Schlagen einer Brucken, dass man kunnt` hinüberrucken mit`r Armee wohl vor die Stadt“ kriegsentscheidend war.

Erst durch diese endgültige Befreiung von der Türkenherrschaft konnte unter Kaiser Karl VI. die Ansiedelung von deutschen und österreichischen Kolonisten in größerem Umfang eingeleitet werden, die aus der verödeten aber fruchtbaren Landschaft, unter führender Beteiligung der  damals als „Ungarnschwaben“ bezeichneten Donauschwaben, bekanntlich die Kornkammer der Monarchie geschaffen haben. Dies stellt das wohl größte  Kolonisationswerk  im mittleren und unteren Donauraum dar, das von Österreich verwirklicht werden konnte.

*) siehe dazu das Buch  - „Das bewegte Leben eines Donauschwaben“  von Martin König

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B) Oberösterreicher - Pioniere im Banater Bergland

Bekanntlich gehörten zu den Ansiedlern der Frühzeit auch Bergleute, Köhler, Forstleute und Zimmerleute aus den österreichischen Alpenländern Tirol, Steiermark und dem oberösterreichischen Salzkammergut, die im Banater Bergland verwendet wurden, um die dortigen reichen Kupfer-, Silber. und Eisenvorkommen zu nutzen sowie die dazugehörigen Hüttenbetriebe wieder in Gang zu bringen.

Dadurch konnten die Bergwerke zu neuer Blüte gebracht werden, die im Wirtschaftsgeschehen der Gesamtmonarchie eine wichtige Rolle spielten.

Auf Grund dieser Pionierleistungen konnte sich im Verlauf des 18. und 19. Jh. der Banater Bergdistrikt zur größten Industrieregion Südosteuropas mit einem bedeutenden Steinkohlenbergbau und leistungsfähigen Eisen- und Stahlwerken entwickeln.

Der Historiker Oskar Feldtänzer stellt die Leistung dieser alpenländischen Einwanderer im Banat der kolonisatorischen Arbeit der Banater Schwaben, die das versumpfte aber fruchtbare Land zur Kornkammer der Monarchie umwandelten, würdig zur Seite.

Reschitz, Steierdorf-Anina, Franzdorf, Weidenthal, Wolfsberg und Lindenfeld sind, oder vielmehr waren die wichtigsten Ansiedlungen der vornehmlich aus dem steierischen und oberösterreichischen Salzkammergut ins Banater Erzgebirge gezogenen Berg- und Forstleute, die durch ihre Auswanderung ins Banat eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erhofften.

Feldtänzer bedauert in diesem Zusammenhang, dass die geschichtlichen Leistungen dieser alpenländischen Ansiedler im Banat und deren nachhaltige und tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesamtregion so wenig bekannt sind und dass es unfassbar ist, wie diese Tatsachen dem Bewusstsein der Stammländer in einer so geringen Zeitspanne verloren gehen konnten.

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Schlussfolgerung:

Gerade diese Feststellung Feldtänzers zeigt, dass selbst die großartigsten Leistungen einer Volksgruppe der Vergessenheit anheim fallen, sofern sie nicht ausreichend dokumentiert worden sind, um so im öffentlichen Bewusstsein verankert zu werden. Daher ist es für uns noch lebende Zeitzeugen eine hohe Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass die  Geschichte unserer Volksgruppe österreichweit Eingang in den Lehrplan findet, um so künftigen Generationen im Rahmen des Geschichtsunterrichts an den Schulen weitergegeben zu werden. Denn die Geschichte der Donauschwaben ist, wie aus den oben skizzierten Ausführungen ersichtlich, eng mit der österreichischen im Allgemeinen und mit der oberösterreichischen Geschichte im Speziellen verbunden und  ist ein TEIL der gemeinsamen Vergangenheit der Volksgruppen.

Wie sagte doch unser Historiker Prof. Dr. Wildmann:

„Um einen Platz im kollektiven Gedächtnis unserer Heimat Österreich muss nach wie vor gerungen werden – auch 66 Jahre nach unserer Vertreibung“.