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März 2006 - Reise in die frühere Heimat "Neu Slankamen"

von Eva Frach

Ein Rückblick auf unsere Reise in die alte Heimat, welche in Braunau am 2. 6.2006 begann und am 6. 6.2006 ebendort endete. Reiseteilnehmer aus den USA, Kanada, England, Deutschland und Österreich – insgesamt 64 Personen, meldeten sich spontan an, um an dieser Reise teilzunehmen. Der Altersbogen spannte sich von 8 – 80 Jahren, die sechs ältesten Reiseteilnehmer waren schon jenseits von 80 Jahren.

Der ursprüngliche Gedanke zu dieser Reise war, in Neu Slankamen eine Gedenktafel zum Gedenken unserer Vorfahren anzubringen und zu enthüllen. Nach dem wir drei Bestätigungen in Händen hatten, diese Tafel mit dem vereinbarten Text einweihen zu können, schrieben wir unsere Landsleute in aller Welt an.

Schon im März 2006 unternahmen Josef und Eva Frach eine mehrtägige Fahrt nach Slankamen, um alle nötigen Vorbereitungen zu treffen, wobei ihnen Herr Dipl.-Ing. Jovica Stevic behilflich war. Nach vielen Vorbereitungen war es dann so weit. Stevic ist der Vorsitzende des deutsch-serbisch-österreichischen Vereins in Srem.

Kurz vor unserer Ankunft in Beschka erklang aus dem Lautsprecher des Busradios zur Einstimmung an unsere Reisevorhaben und dem Ziel die frühere Heimat zu besuchen, das schöne und in der alten Heimat so oft gesungene Lied: „Nach meiner Heimat, ziehts mich wieder“. Anschließend wurde der Film „Geschichte und Lebenswelt“ im Busfernseher gezeigt, der von allen Mitreisenden mit viel Interesse angesehen wurde.

Um 19 Uhr erreichten wir nach einer reibungslosen Fahrt von 854 km gesund und glücklich unser Reiseziel, die beiden Hotels Bozic und Sidro, ca. 4 km außerhalb Beschka, am Ufer der Donau, dicht daneben die höchste Donaubrücke Europas, 90 m hoch und 2.200 m lang, ein beeindruckendes Bauwerk.

Der erste Tag gehörte natürlich unserem Heimatort Neu Slankamen. Wir fuhren die 3 km lange kerzengerade Straße durch den Ort auf der ganz neu asphaltierten Straße dem Gemeindehaus zu. Man sah viele neue, aber auch viele alte Häuser, die sehr desolat und vernachlässigt sind. Um 9 Uhr wurden wir im Gemeindehof von Bürgermeister Batalo Mane empfangen und begrüßt, wo auch andere Gemeindepolitiker zugegen waren. Bei der Begrüßung erfuhren wir, dass durch die verschiedenen Kriegsereignisse derzeit 80% zugezogene Menschen in Slankamen leben, 6.000 an der Zahl.

Obmann Josef Frach bedankte sich für den Empfang und die Begrüßung aller Reiseteilnehmer. In seiner Rede bedauerte er, dass trotz drei Genehmigungen die Anbringung einer Gedenktafel nicht zu Stande kam. Am Ende seiner Ausführungen überreichte Josef Frach dem Bürgermeister das Slankamener Heimatbuch, verfasst von Peter Schoblocher als Geschenk und in einem Kuvert einen größeren Geldbetrag für die Pflege des Friedhofes.

Um 10 Uhr fand zu Ehren von uns Slankamener in der kath. Kirche eine feierliche Messe in deutscher Sprache statt. Wir entzündeten die zwei mitgebrachten 35 cm hohen Kerzen. Diese hatten folgende Aufschriften in goldenen Lettern:

1. Kerze: „Zum Gedenken der toten Slankamener von 1750 –1944“.

2. Kerze: „Wir gedenken aller toten Slankamener Landsleute, die von 1944 –1946 unschuldig ums Leben kamen“.

Josef Frach übergab dem Slankamener Pfarrer, Perislav Petrovic, ein Kuvert mit einem höheren Geldbetrag für die so dringend benötigte Renovierung des Kirchendaches. Als Gegengeschenk bekam die Sl. HOG ein Ölgemälde von der Sl. Kirche.

Gemeinsam fuhren wir zum Mittagessen nach Alt Slankamen, wo die Gemeindepolitiker und die zwei Pfarrer unsere Gäste waren. Der Samstagnachmittag war für die Ortsrundfahrt und das Besichtigen der Gassen und Elternhäuser vorgesehen. Viele wurden fündig, viele aber waren herb enttäuscht, zu sehen, was von dem übrig geblieben war, was man einst sein stolzes Eigentum nannte.

Um 18 Uhr fand im Gemeindesaal für uns eine sehr schöne Volklore-Vorführung statt.

Am dritten Tag besuchten wir den Friedhof, wo schon am Eingang jeder Reiseteilnehmer ein brennendes Grablicht in die Hand bekam, welches am Missionskreuz in der Form der Ziffer 34 aufgestellt wurde, zum Gedenken der 34 unschuldig ums Leben gekommenen Slankamener. Einige Mitreisende konnten ihre früheren Familien-Gruften noch finden. Einige Reiseteilnehmer wurden von früheren Nachbarn zum Mittagessen eingeladen. Alle anderen fuhren nach Alt Slankamen ins Restaurant Kay. Nach dem Essen lud uns Frau Dr. Miriam Albot zur Besichtigung des REHA-Zentrums in Alt Slankamen ein. Anschließend fuhr ein Teil der Reiseteilnehmer in die Hauptstadt Belgrad, ein Teil blieb in Slankamen.

Am Montag, 5.6. ging die Fahrt in die Kreisstadt India. Josef und Eva Frach wurden beim Lokalfernsehen zu einem Interview gebeten. Anschließend wurden alle im Gemeindehaus empfangen und begrüßt. Danach war ein Besuch der kath. Kirche und ein Rundgang in der Fußgeherzone möglich.

Das nächste Reiseziel war der Wallfahrtsort Maria Schnee, wo wir von Herrn Pfarrer Mag. Stjevan Miler erwartet wurden. Wir waren alle sehr beeindruckt von diesem schönen Gotteshaus. Ein gemeinsam gebetetes Vater unser und das altbekannte Lied „Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn“ wurde gesungen.

Anschließend ging die Fahrt nach Peterwardein, wo wir das Museum besichtigten. Dann fuhren wir nach Novi Sad, wo ein Rundgang in der Fußgeherzone und einige Kirchenbesuche am Programm waren. Müde und zufrieden kehrten wir am Abend in unsere Hotels zurück.

Beim Abendessen überraschte uns Frau Bozic mit einer Spezialität, was die Schwaben Frauen, wie sie sagte, ihren Familien gekocht und gebacken haben. Es gab Mohnstrudel und Vanillesoße mit Schneenockerl zum Nachtisch.

Am Dienstag früh, dem 6.6. 2006, verließen wir Beschka und kamen am Abend um 19 Uhr nach weit über 2.000 gefahrenen km, gesund und glücklich in Braunau an.