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Dort wo die Bega in die Theis und diese stromabwärts in die Donau mündet liegt ein Ort, der zu Ehren des habsburgischen Kronprinzen Rudolf, Rudolfsgnad heißt. Angeschmiegt an einen riesigen Damm entlang der Theis im Westen und einem Bahndamm im Norden, liegt er, wie versteckt, unter riesigen Maulbeerbäumen und Akazien, gäbe es da nicht die schon von weitem sichtbare herrliche neugotische Kirche. Von Osten kommend, den Ort Perles durchquerend, nähert man sich auf dem sogenannten „kaiserlichen Damm“ (er hat seinen Namen vom alten Kaiser Franz Josef, in dessen Zeit man diesen Damm mit einer Schotterstraße anlegte, als Verbindung von Titel nördlich an Rudolfsgnad vorbei, nach Perles und in weiterer Folge nach Betschkerek, der Bezirksstadt), biegt vor der Theisbrucke, die Rudolf mit Titel verbindet und auch der Eisenbahn dient, nach links ab und fährt sozusagen „runner uf Rudolf“. Man passiert als erstes das Ende der „Eenschichtgass“ Einschichtgasse), kommt dann zur „Kerchegass“ (Kirchengasse), der „mittrscht Gass“ (Mittleren Gasse), der „hinnerscht Gass“ (Hinteren Gasse) und schließlich der „nei-i Reih“ (Neuen Reihe). Wir biegen bei der „Kerchegass“ ein und fahren Richtung Zentrum.

Rechts und links schmucke Längshäuser mit den im Bauernbarock gehaltenen Giebeln, die Sockeln frisch geweißelt, überqueren die sogenannten Kreuzgassen und gelangen auf den Kirchenplatz. Vis-a-vis der bereits erwähnten Kirche ein riesiges Schulhaus, daneben das Pfarrhaus und auf der Kirchenseite, durch eine Kreuzgasse getrennt, das Gemeindehaus.

Von diesem Platz bietet sich uns ein schöner Blick auf den, die Kirche umgebendenden Kirchgarten (Kerchegarte), mit herrlichem Baumbestand, blühenden Sträuchern und wo sogar der Rosmarinstrauch nicht fehlt. Es ist Frühling. Die Kälte, der Nebel weichen immer mehr der lauen Luft, der erwachenden Natur. Man genießt den Gang um den Kirchgarten auf einer breiten Promenade von Kastanienbäumen eingesäumt, gelangt zur Rückseite der Kirche und vernimmt munteres Kindergeschrei – es ist die „Ovoda“, der Kindergarten.

Schließlich ist die Straße des Gemeindehauses erreicht und man sieht vor sich das Postamt und das Feuerwehrhaus. Am großen Frank’schen Wirtshaus vorbei, will man auch einen Blick auf die Agenzie (Schiffsstation) und die Theis werfen. Ein Schotterweg führt uns durch das Inuandationsgebiet der Theis, den Wald – wie er von den Rudolfern genannt wird – schließlich zur Agenzie.

Beeindruckend der breite, träge Theisstrom, die mächtigen Weiden- und diversen Laubbäume. Auch kommt zufällig auf der Theis die „Sibenik“, ein altes, noch mit Schaufelrädern betriebenes Schiff, vorbei.

Rechts von der Agenzie erstreckt sich ein breiter Sandstrand, der im Sommer Anziehungspunkt, vor allem für die Jugend und die „Herrischen“ ist. Letztere sind die Lehrer, der Doktor, Geschäftsleute, Studenten und Studentinnen, die Frauen der honorigen Herren, und auch solche, die sich dafür halten. Von hier sieht man vis-a-vis nach Titel mit ihrer komfortablen Schiffsstation, wo auch Schiffe aus Ungarn anlegen, kann die eleganten Kapitäne beobachten, die dort in ihren Pausen mit der Damenwelt schäkern und fühlt sich fast wie in der großen Welt. Auch von Rudolf gehen regelmäßig Schiffe nach Semlin und Belgrad, ebenso besteht ein Schiffsverkehr mit Betschkerek. Die „Fratschlerinnen“ (Marktfrauen) bringen auf diesem Wege ihre Produkte auf die Märkte von Belgrad, Semlin oder Betschkerek.

Alles Bisherige, nur ein kleiner Einblick in und um Rudolfsgnad, ist geschrieben in der Gegenwart, ist uns Rudolfern noch gegenwärtig, doch leider ist es die Vergangenheit, es war die Zeit vor 1944. Für die Gegenwart, es ist die Zeit um 1990, lasse ich den Reiseschriftsteller und Essayist Humbert FINK, in seinem Buch „Auf den Spuren des Doppeladlers“, zu Wort kommen:

„Einige hundert Kilometer von der Adria entfernt, aber immer noch auf jugoslawischem Boden und natürlich im Schatten der imaginären, längst verschwundenen Militärgrenze, liegt Rudolfsgnad. Es heißt heute Knicanin und liegt halbwegs zwischen Belgrad und Novisad, dem früheren Neusatz mit seiner altösterreichischen Festung Peterwardein.

Wahrend der letzten jugoslawischen Volkszahlung vor dem Zweiten Weltkrieg wurden in Rudolfsgnad 3.100 Einwohner erfasst, von denen 3.064 als Deutsche klassifiziert wurden … die Neusiedler, die bald als Donauschwaben bezeichnet wurden beeindruckten durch ihren Fleiß, durch eine in diesen Landstrichen bis dahin völlig ungewohnten Sauberkeit und dann natürlich durch den Erfolg, den sie hatten … aber im Oktober 1945 wurde aus dem wohlhabenden, hübschen Theisdorf Rudolfsgnad, das serbische Anhalte-, Arbeits- und Konzentrationslager Knicanin … Tausende Menschen, hauptsächlich Frauen, Kinder, Alte und Kranke wurden in diese Ansiedlung gepfercht. Hungerödem, Fleckfieber, Typhus, Misshandlungen und Exekutionen durch das serbische Bewachungspersonal waren die häufigsten Todesursachen.

Knicanin heute: Die Erde glänzt fettig, Schlamm kriecht über die Dorfstraße, die von Häusern flankiert wird, die wie lebende Leichname aussehen. …in manchen Fassaden nistet der Grind… vor einem adretten Neubau, der auffallt, steht ein Auto mit deutschem Kennzeichen – Gastarbeiter auf Urlaub.

Hinter den erdbraunen Dämmen rumort die Theis. Und in der Tiefe des fruchtbaren Bodens liegen die Toten, deren Namen niemand mehr kennt. Ein Vierteljahrtausend deutscher Siedlungsgeschichte ist spurlos verschwunden.“

Inzwischen konnte ich mich selbst überzeugen, dass eine gewisse „Normalität“ in „Knicanin“ Einzug gehalten hat, die jetzigen Bewohner, zum Großteil hier geboren, den einstigen Bewohnern freundlich bis gleichgültig gegenüber treten und ihre eigenen Sorgen haben. Die großen Bauernhäuser aber sind nicht nur „grindig“, wie das FINK beschreibt, sondern großteils abbruchreif und dem Verfall preisgegeben. Dass sich die Verantwortlichen kooperativ, was die Pflege der inzwischen errichteten Gedenkstätten betrifft, zeigen, kann man nur begrüßen. Auch ist positiv zu bemerken, dass die Schule und das Gemeindehaus frisch renoviert wurden und ich auch Gelegenheit hatte, das Innere der Schule zu besuchen. Überrascht war ich von den neu eingerichteten, modernen Klassen und der Freundlichkeit des da beschäftigten Personals.

Die inzwischen asphaltierte Kirchengasse ist absolut autotauglich und führt uns bis auf die Teletschka – zur würdigen Gedenkstätte für die Lageropfer. Auch die renovierte Friedhofskapelle, in dem sonst verwüsteten Friedhof, ist ein Lichtblick und lässt Wehmut aufkommen.

Der Gang zur Theis führt auch heute noch am Feuerwehrhaus und dem Wirtshaus Frank vorbei, es ist aber nicht mehr der vertraute von einstens. Zu vieles hat sich verändert, ist zerstört, ungepflegt. Der Damm ist um fast das doppelte verbreitet und verwildert und es fehlt die idyllische „Eenschichtgass“.

Da und dort sieht man auch gepflegte neue Häuser, die sich an den Damm anlehnen, doch sie wirken wie Fremdkörper. Ein ungepflegter Weg führt uns hinunter zur Theis. Riesige Weiden, Pappeln und sonstiges Gebüsch säumen diesen – es ist „wie im brasilianischen Regenwald“ – wie mein Sohn als Begleiter feststellt. Ihm gefiel es und er konnte nicht oft genug betonen, dass allein die Lage Rudolfgnads einmalig wäre. Der Wald hat sich bis an das Ufer der Theis ausgebreitet, eine ehemalige Agenzie, ein „Strand“ ist nicht mehr auszumachen. Unter einer knorrigen Weide sitzt ein einsamer Fischer auf seinem „Camac“ und findet, dass die Theis heuer sehr fischreich sei. Auch erzählt er uns, dass viele Bewohner Knicanins sich die Fischerei zum Nebenerwerb machen. Der Blick nach Titel ist durch die Bäume verdeckt, Schiffe sieht man keine und auch die ehemals schöne Schiffsstation in Titel ist Vergangenheit.

Ein Ausflug auf den Titeler Berg beschert uns einen herrlichen Blick auf Rudolf, auf die Begamündung und die einstigen schönen Badeplatze. Von hier aus gesehen ist Rudolf heil, Bäume decken die Lücken und Wunden zu und erleichtern uns die Weiterreise nach Betschkerek. Ein Blick zurück von der Anhöhe in Perles: Rudolf versteckt sich zwischen zwei Dämmen, ein leichter Dunstschleier liegt über dem Ort und im Hintergrund die „Fruska Gora“, die so vertraute Kulisse Rudolfgnads.

In seinen Ausführungen erwähnt FINK die imaginäre Militärgrenze. Was hat es mit dieser auf sich? Viel, würde ich meinen, denn nur durch Abtretung von ararischem (staatlichem, zur Militärgrenze gehörigen) Boden, konnte die Gründung Rudolfsgnads erfolgreich sein.

Zum besseren Verständnis einiges über die Österreich-Habsburgische Militärgrenze

Ihre Begründung war im höchsten Maße epochal und hatte einen einzigen Zweck: Die Abschirmung des Habsburger Kaiserreiches und letztlich des Abendlandes gegen den konsequenten und eminent gefährlichen Ansturm der Türken.

 

Neben ihrer politisch-militärischen Aufgabe war sie auch ein „cordon sanitaire“. Durch ihre hermetische Abriegelung begegnete man der drohenden Gefahr einer Seucheneinschleppung.

 

DIE MILITÄRGRENZE erstreckte sich von der Adria bis Siebenbürgen und umfasste 17 Regimenter.

 

Von Dalmatien ausgehend:

Karlstädter( Karlovac)

I.     Likaner

II.    Otocaner

III.   Oguliner

IV.    Sluiner (Slunj)                    gegr. 1538-1737

 

Warasdiner ( Varazdin)

V.      Kreuzer

VI.     St. Georger                        gegr. 1538-1702

 

Slawonische

VII.    Broder

VIII.   Gradiskaner

IX.      Peterwardeiner                gegr. 1702

 

Banaler ( Bosnien)

X.      Erstes Banal

XI.     Zweites Banal                    gegr. 1538-1737

 

Banater

XII.    Deutsch Banater               1761-1872

XIII.   Walachisch-Illyrisch           1764-1872    (serbisch)

XIV.    Erstes Szekler

XV.     Zweites Szekler

XVI.    Erstes Wallachisches

XVII.   Zweites Wallachisches      Gründung 1770-1780

 

Tschaikisten-Bataillon

Zwischen Donau und Theiß

Kommando: Titel 

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Unmittelbar nach der ersten Türkenbelagerung Wiens gab es Überlegungen, die Südgrenze des Reiches wirkungsvoll zu verteidigen. Der Hofkriegsrat bestimmte den ersten General-Kapitän der Südgrenze Innerösterreichs. Sitz war die Hauptstadt des Herzogtums Krain, – LAIBACH.

Flüchtlingen aus dem Osmanenreich wurden entlang der Krainer Grenze öde und verwüstete Landstriche angewiesen, die sie roden und urbar machen mussten. Sie bauten darauf ihre Häuser und als Gegenleistung mussten sie sich verpflichten, die Grenze und somit auch ihr Eigentum zu verteidigen. Die zugewiesene Landfläche betrug 2O Joch Ackerland und fünf Joch Wiesen, 3 Jahre steuerfrei.

Kaiser Karl V. bestimmte den Krainer Landesverweser Rauber von Plankenstein zum Kriegshauptmann. Mit diesem Schritt war der Grundstein für die  „Kroatische Militärgrenze“ gelegt.

1535 traten nicht weniger als 6OO Familien mit insgesamt 3OOO Mitglieder aus dem osmanischen Gebiet in das Herzogtum Krain über. Ungefähr um dieselbe Zeit – 1538 – tauchte in Oberslawonien eine beträchtliche Anzahl serbischer Flüchtling auf, die man unter den gleichen Bedingungen ansiedelte. König Ferdinand I. stattete sie mit einem bedeutsamen Privilegium aus: steuerfrei – was nur dem Adel und der Kirche zustand – und das Recht auf Türkenbeute. Die Mehrzahl der „ Uskoken“, wie man die Flüchtlinge nannte, waren Serben, orthodoxen Glaubens. Für sie galt sogleich freie Religionsausübung, womit es gelang, eine große Anzahl äußerst kriegerischer Männer zur Verteidigung der Grenze zu veranlassen.

Die Grenzer, oder „ GRANICARI“ wie sie sich inzwischen selbstbewusst nannten, gewannen immer mehr an Bedeutung. Im Verlaufe des 16. und 17. Jahrhunderts wurden sie nur im „ Kleinen Krieg“ an der türkischen Grenze eingesetzt. Sie verteidigten ihr Lehen und somit auch gleichzeitig das Reich und Europa. Sie unternahmen auch Streifzüge im Feindesland, kehrten mit der gemachten Beute zurück. Zu Hause lebten sie in der „ ZSDRUGA“, der Großfamilie, in welcher der Hausvater – STARSINA – oder auch GOSPODAR genannt, die Aufsicht führt und für die wirtschaftlichen Belange zuständig ist.

Eine große Last trugen die Frauen: Zutragen von Munition, Anfertigung von Monturen, Küchendienst u.s.w. Die noch nicht wehrfähigen Söhne bewirtschafteten ihren Boden, betrieben Ackerbau und Viehzucht. Sie hatten ihren eigenen Popen (Geistlicher) und eigene Schulen. Die allgemeine Schulpflicht wurde zu einem Zeitpunkt eingeführt, wo diese noch nicht in allen Reichsteilen selbstverständlich war. Inzwischen hat man ihr „Lehen“ auf 24 Joch erhöht und auch dafür gesorgt, dass die aus dem Kriegsdienst ausgeschiedenen und alten Grenzer eine entsprechende Unterstützung bekamen.

Die Banater Grenze

1739 fasste man beim Hofkriegsrat den Plan, eine BANATER GRENZE einzurichten. Serbische Flüchtlinge bildeten die sogenannte „BANATER MILIZ“, die, wie sich aber bald herausstellte, nicht zu disziplinieren waren. Leere Staatskassen und Kriege – der siebenjährige Krieg – ließen erst 1761 in MARIA THERESIA den Plan reifen, invalide Soldaten, die noch Dienst machen konnten, anzusiedeln. Nach einigermaßen diensttauglichen Männern wurde in den Invalidenhäusern in Pest, Prag, Pettau und Wien geworben. In den Kasernen von Pantschowa und Weißkirchen fanden sie vorerst Unterkunft.

 

Zwar gab es genügend ungerodetes Land, aber es saßen noch zerstreut serbische Familien an der Grenze. Weigerten sich diese, in den Militärdienst zu treten, wurden sie weiter nördlich angesiedelt, um Neusiedlern Platz zu machen. Die meisten Serben entschlossen sich für den Kriegsdienst, so dass letztendlich kleinere Flächen für die „ INVALIDEN - SIEDLER“ abgegeben werden konnte. Die Vermischung der Bevölkerung wurde bewusst vom Hofkriegsrat betrieben. Man erwartete sich eine kulturelle Bereicherung durch das deutsche Element. Auf verschiedenen Gebieten ist es auch gelungen, in erster Linie, was den Ackerbau betrifft. Zu einer Vermischung unter den Nationen ist es, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gekommen.

 

 

 

Schließlich stand das ...

"12. DEUTSCH-BANATER GRENZREGIMENT"

Und mit diesem müssen wir uns jetzt beschäftigen, weil dessen Oberkommando bei den Rudolfern keine gute Nachrede hatte. Es verfügte über 111.345 Katastraljoch Riedfelder. Diese reichten in unserem Fall von Pantschowa bis Perles und Titel. In Perles war eine Kompanie stationiert. Ungerecht behandelte Bauern aus Etschka und Sigmundfeld (sie hatten kein Urbarium, waren keine Eigentümer ihres Grund und Bodens, sondern Kontraktualisten = Pächter bei Großgrundbesitzern für 3O Jahre), sahen in dem Riedland gegenüber von Titel an der Theiß und gegenüber von Slankamen an der Donau, wertvolles Ackerland, das man mit einer Eindämmung vor Überschwemmungen schützen könnte. Zur Zeit diente es als Weideland für die benachbarten serbischen Bauern in Perles, Centa, Orlovat, Idvor, Farkasdin, Opovo und Baranda.

 

Um Überlassung eines kleinen Teils dieser riesigen Fläche, entlang der Begamündung in die Theiß und entlang der Theiß bis zur Mündung in die Donau, suchte man beim Kriegsministerium an. Unzählige Bittgesuche werden abgelehnt, auch das erste Gesuch an den Kaiser wird abschlägig beantwortet. Das zweite, ein Jahr später im April 1865, fand die Gnade des Kaisers.

Wortlaut der Entschließung des Kaisers :

„Ich bewillige die Ansiedlung der Gemeinden Deutsch – Etschka und Sigmundfeld auf dem Perlaßer Ried im Deutsch Banater Grenzregimente unter den in diesem Vertrag erörterten Bedingungen und gestatte, dass die sich hierbei konstituierende Grenzgemeinde den Namen Rudolfsgnad annehme.

Schönbrunn, am 8. Dezember 1865

                                                                         Franz Josef m.p.“

Als Bedingungen galten die Entlassung aus dem ungarischen Provinzialverband, die Verpflichtung zum Dammbau aus eigener Kraft und auf eigene Kosten, die Bezahlung von 2O Gulden je Katastraljoch und Errichtung einer Schule, einer Kirche und eines Pfarrhauses. Für das Dorf standen 6.OOO Katastraljoch zur Verfügung. Volljährige hatten einen Anspruch auf 18 Joch, Minderjährige auf die Hälfte. Alles andere denn großzügig. Ein ganzer Hausplatz war hingegen nicht klein bemessen, er betrug ein Joch.

Erster Dorfrichter wurde Heinrich Kirchner, der sich durch seine Bemühungen um die Dorfgründung, große Anerkennung erwarb. Ihm zur Seite stand sein Freund Ferdinand Löschardt, Katechet und Direktor der Realschule in Groß-Kikinda.

Neben dem Dorfrichter hatte die Militär - Grenzgemeinde Rudolfsgnad auch einen k.u.k. Oberleutnant als Stationskommandanten, jedoch nur bis zur Auflösung der Militärgrenze 1872.

Das Gründungsfest fand am Ostersonntag, den 2. April 1866 statt. In der zukünftigen Dorfmitte, auf dem Platz, der für die Errichtung der Kirche vorgesehen war, wurde ein großes Holzkreuz aufgerichtet und in die für das Kreuz ausgehobene Grube die Gründungsurkunde versenkt.

Am Nachmittag fand ein Volksfest statt, das nach Aussage der Teilnehmer ein  „sollenes“ war. Es spielte die Militärkapelle des Tschaikisten – Bataillons aus Titel. Die Tschaikisten waren so eine Art Flusspolizei – Maria Theresia nannte sie Wassersoldaten – welche die Flüsse Theiß und Donau in diesem Bereich kontrollierten, Schmuggler aufspüren sollten und auch das Einsickern des Feindes oder eventueller Spione hintanhalten mussten. Sie bekamen in Titel zu diesem Zweck etwa 6.000 Katastraljoch vom ungarischen Staat und waren in die Militärgrenze integriert.

Die Gründung Rudolfsgnads ist vollzogen. Alles was nun folgt, all die Anfangsschwierigkeiten, die Überschwemmungen und der ungebrochene Wille zum Wiederaufbau – einfach alles was die „ Rudolfer Riedwölfe“ ausmacht, verdient ein eigenes Kapitel.