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Schule in Eferding

von Florian Neller aus Graz

Den damaligen Bürgermeistern, den Hauptschuldirektoren, den Lehrern an „unserer“ Schule, all ihnen sind wir noch zutiefst dankbar.

Die Lehrer unterrichteten uns für Taschengeld, sie waren unsere Vorbilder, vorzügliche Erzieher und väterliche Freunde. Unsere Eltern, Geschwister und Verwandten sparten von ihren Lippen für unsere spärlichen Ausgaben. Viele Schüler waren gezwungen, als Bauhilfsarbeiter, Bauernknechte, Kohlenträger, Bergwerksarbeiter etc. ihr Schulgeld zu verdienen.

Mehrere Landes-, Bundes- und Universitätsbeauftragte waren unsere Fürsprecher. Die amerikanische Besatzungsmacht, die amerikanische Bevölkerung, die nach Kriegsende 1945 eine große Spendenaktion ins Leben rief, erreichte auch unsere Schule. Einigen weiteren Hilfsorganisationen und der Eferdinger Bevölkerung, danken wir sehr.

Dem großen Lehrer, Direktor, Organisator, unserem Freund, dem Philanthropen, unserem OSTR Prof. Oberthür, haben wir ehemaligen Schüler mit der Errichtung und der Aufstellung seiner Büste für all seine Mühe und Hilfe ein bleibendes Denkmal gesetzt.

In den Jahren 1945 bis 1949 waren im Gymnasium und der Lehrerbildungsanstalt insgesamt 1.362 Schüler eingeschrieben. Absolviert haben 625 Schüler. Ohne Abschluss haben 737 die Schule wegen Auswanderung gewechselt oder aus materiellen Gründen den Schulbesuch abgebrochen. Die Schule haben 404 mit der Matura des Gymnasiums und 221 mit der LBAMatura abgeschlossen.

Für die Schüler gab es in Eferding keine oder nur wenige Unterkunftsmöglichkeiten, so dass beträchtliche Zeiten für die An- und Rückfahrten notwendig waren. Die Wirte ermäßigten für unsere Schüler oft die Preise. Ab 1947/48 stand eine Schülerbaracke zur Verfügung. Das Abschlusszeugnis der Notmittelschule wurde in Österreich als ausländische Matura gewertet.

Die Aufgliederung der Absoventenzahlen mit der Berufsausbildung ergibt folgendes Bild: Dr.med. 38, Lehrer 37, Angestellte 33, Dipl.-Ing. 29, Dr.jur.13. Zwei Mitschüler wurden Univ.-Professoren und viele haben in jeweils kleinerer Zahl in anderen Berufen Fuß gefasst.

Da „unsere Schule“ in Eferding nur kurzen Bestand hatte und nirgends eine Fortsetzung gefunden hat, fühlten wir Absolventen uns veranlasst, dieses Schulkapitel der Nachkriegsereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentarisch festzuschreiben. Der Band I erschien mit dem Titel „Eine Schule für Volksdeutsche in Österreich, 1945 bis 1949“. Der Band II mit dem Titel „Unsere Schule. Das Beispiel einer erfolgreichen Problemlösung“.

Eine Schule für Volksdeutsche in Österreich

Das Gymnasium und die Lehrerbildungsanstalt in Eferding

von 1945 bis 1949

Das Gymnasium und die LBA (Lehrerbildungsanstalt) waren in diesem Zeitabschnitt der willkommene schulische Standort der Heimatlosen, um die in der alten Heimat begonnene Schulausbildung fortzusetzen und mit der Matura abzuschließen.

Uns hat die schulische Ausbildung bis zur mittleren Reife im humanistischen Sinne geformt.

Unsere Lehrer an der Schule in Eferding haben selbstlos und selbstverständlich Wissen und Bildung vermittelt. Im Begleitwort zu unserem Band I unserer erstellten Dokumentation im Jahre 1991 führt der damalige Bürgermeister der Stadt Eferding, Herr Hans Götzenberger aus:

 „Selbstlose Idealisten mit ungebrochenem Zukunftsdenken, wie ihr Direktor Professor Johann Oberthür, geboren am 6.5.1899 in Großbetschkerek, jugosl. Banat, verstorben am 25.1.1975 in Schramberg, Baden-Württemberg, waren Männer der Stunde, die unter unlösbaren Schwierigkeiten, den Grundstein für unser heutiges Wohlergehen gelegt haben.“

 

Maturatreffen in Erinnerung an die Schulzeit

Bei Kriegsende mussten fast alle Volksdeutsche aus den Ländern Ost- und Südosteuropas flüchten bzw. wurden von dort vertrieben. Die Situation für die heimatvertriebenen Studierenden war nach 1945 katastrophal. Als Heimatvertriebene waren sie „Ausländer“ und mussten daher an Mittel- und Fachschulen Studiengebühren entrichten. Meistens war aber eine Aufnahme gar nicht möglich.

Der in Betschkerek geborene Mittelschulprofessor Oberstudienrat Professor Johann Oberthür, selbst ein Heimatvertriebener, war ein ausgezeichneter Lehrer und überragender Organisator. Es gelang ihm, durch Ausdauer und Zähigkeit sowohl von den amerikanischen Besatzungsbehörden als auch von den österreichischen Schulbehörden die Genehmigung für die Gründung eines Gymnasiums und einer Lehrerbildungsanstalt in Eferding zu erlangen.

Bis zum Jahr 1949 legten insgesamt 446 Gymnasiasten und 205 Absolventen der Lehrerbildungsanstalt die Reifeprüfung ab. Sie hatte ihre Aufgabe, die heimatlosen volksdeutschen Gymnasiasten zur Matura zu führen, erfüllt.

Seit 1952 finden zur Erinnerung an die Eferdinger Schulzeit Maturatreffen in Eferding statt – zuerst in unregelmäßigen Abständen. Beim Maturatreffen 1978 wurde nach erfolgreichen Vorgesprächen zur Realisierung eines Denkmals für unseren verstorbenen Direktor Oberthür im Jahr 1980 ein Verein gegründet.

Der „Verein ehemaliger Schüler des Oberrealgymnasiums und der Lehrerbildungsanstalt für heimatlose Volksdeutsche in Eferding“ traf mit der Gemeinde Eferding eine Vereinbarung zur Errichtung eines Denkmals. Damit konnte der sehnlichste Wunsch der ehemaligen Schüler in die Tat umgesetzt werden.

Anlässlich des 5. Maturatreffens am 22.5.1983 wurde zum Gedenken an Oberstudienrat Professor Johann Oberthür eine Bronzebüste auf einem Steinsockel mit einer Inschrift im Pausenhof der Hauptschule Nord, Zugang von der Welserstraße, enthüllt.