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Weihnachten und Neujahr in Hatzfeld

Erinnerungen von Dr. Peter Fraunhoffer

Bild  aus MTBL Nr. /2006

 „Weihnachten“ - von Stefan Jäger

Bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts war es in Hatzfeld Brauch, dass zu Weihnachten die „Chrischkendcher“ von Haus zu Haus gingen. Es gehörten zu ihnen Maria mit einer Puppe als Christkind in der Krippe, zwei Jungfrauen als Begleiterinnen, Josef, drei Hirten und der Schimmelritter.

Maria war weiß gekleidet, die männlichen Figuren trugen Pelze und darüber Leintücher. Der Schimmelritter saß auf einer Stange mit einem Pferdekopf aus Stoff, vor und hinter ihm war ein großes Sieb befestigt und darüber ein Leintuch gebreitet. Man begehrte Einlass mit den Worten:

„Loßt ter die Chrischkendcher ren?“

Der heilige Hirte von Bethlehem trat ein und sprach: „Gelobt sei Jesu Christ!“

Nach einem Gespräch mit den draußen Wartenden sagte er zu den Kindern: „Wenn die Kinder fleißig beten und singen, wird’s Christkind was Schönes bringen. Wenn sie aber nicht fleißig beten und singen, wird’s Christkind eine scharfe Rute bringen.“

Dann öffnet der Hirte die Tür und sagt: „Kinder schaut auf, das Christkind macht die Tür auf“. Nun kam Maria mit dem Kind in der Wiege, Josef und die Jungfrauen. Alle sangen im Chor:

Lasset uns das Kindlein wiegen,

Unser Herz zum Krippelein ziegen.

O, Jesulein süß, o Jesulein süß.

Auf, auf ihr Hirten, ihr schlafet so lange,

Die Nacht ist vergangen, es scheinet die Sonn.

Der Steere will nicht stille stehn,

Wir müssen heut noch weiter gehn,

Von jedem Ort nach Bethlehem,

Dort, wo das Kindlein geboren soll sein.

Wir wünschen den Herren eine schöne gute

Nacht.

Zuletzt kam der Schimmelritter hereingesprengt und bat etwas für sein hungriges Pferd. Er drohte den schlimmen Kindern, gebärdete sich wild und sprach:

Husch, husch Flederbusch!

Gebt meinem Schimmel auch etwas.

Die Chrischkendcher wurden beschenkt und zogen weiter.

Jetzt durften die Kinder ihre Geschenke unter dem Christbaum suchen und die ganze Familie sang Weihnachtslieder.

Nach altem Brauch bestand das Abendessen aus Weinsuppe, Mohn- oder Nussstrudel und Kranzkuchen. Zu Mitternacht wurde die Mette besucht. Am ersten Weihnachtstag besuchten die Kinder ihren „Phetter“ und ihre „Goodl“, wo sie ihr „Goodesach“ erhielten.

Der dritte Weihnachtstag ist der „G’hanstaach“ (Johannestag). An diesem Tag spielte die Musik zum ersten Mal wieder im Wirtshaus zum Tanz auf. Nach dem Mittagessen war auch das Dienstjahr der Knechte und Mägde zu Ende.

Zu Silvester findet in der Kirche die „Danksagung“ für das abgelaufene Jahr statt. Abends eine Tanzunterhaltung für die Jugend. Um Mitternacht wird dem alten Jahr ein Trauermarsch gespielt und das neue mit einem lustigen Marsch begrüßt. Die Kirchenglocken läuten das neue Jahr ein. Man wünscht sich „Vill Glick im neie Johr“. Ein Alter Spruch war: „Ich winsch eich e glickliches Neijohr, lang zu lewe, seelich sterwe, on te Himmel erwe.“

Am nächsten Tag sind die Kinder an der Reihe, sie gehen zu den Eltern, Großeltern, Verwandten und Nachbarn.

Der beliebteste Spruch war:

„Ich winsch, ich winsch, ich wees net was,

greift en te Sack on get mer was.

Get mer net zu weenisch,

ich senn e kleene Keenich,

get mer net zu vill,

weil ich noch weidergehn will.“

Die letzte Zeile hieß oft: „Ich senn e Krokodil“

Der „Khiehalder“ und der „Schweinshalder“ pflegten den Bauern folgenden Spruch zu sagen:

„Ich winsch eich vill Glick im neie Johr,

De Bode voll Kerner,

De Stall voll Herner,

E Rein voll Wärscht,

De Keller voll Wein,

Soll Heer on Frau recht luschtich sein.“

Zwischen Weihnachten und Dreikönig waren die „Loosteech“ (Lostage). Das Wetter an diesen Tagen sollte einen Hinweis auf das Wetter der zwölf Monate des nächsten Jahres geben.