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Gedenkstätte auf dem Molidorfer Friedhof

von Mathias Binder

Zuerst war es ein Traum, dann wurde es zum Wunsch und schließlich zu einer Aufgabe. Wenn man selbst alles in der Zeit von 1945 bis 1948 in Molidorf miterlebt hat, ist es eine Pflicht den Verstorbenen gegenüber ein Zeichen zu setzen, um zu zeigen, dass man sie nicht vergessen hat.

Für die vorbereitenden Arbeiten nahm ich zunächst Kontakt mit dem Priester Laszlo Petho der Pfarrgemeinde Toba auf. Es war im Jahr 2004, als ich nach 56 Jahren den Molidorfer Friedhof wieder sah. Dies zu beschreiben, fehlen mir die Worte. Das ganze Gelände war mit Bäumen und Gras zugewachsen – ein Durchkommen war fast unmöglich.

Ich fertigte eine Skizze an und ersuchte die Kirchenbehörde, mir das Gelände zu verkaufen. Da eine solche Genehmigung aber Jahre benötigen würde, bekam ich einen Erb-Pachtvertrag auf 99 Jahre.

Im Jahr 2005 fand ein Molidorfer Treffen in Maikammer (Rheinland Pfalz) statt und der Friedhof Molidorf war ein Hauptthema.

2006 trafen wir uns erneut in Maikammer. Schon zu dieser Zeit fasste ich den Entschluss, im nächsten Jahr mit den Arbeiten in der alten Heimat zu beginnen.

Im Jahr 2007, beim 4. Treffen, hat sich eine Interessengruppe von fünf Personen gebildet. Diese Gruppe entschied sich für eine Fahrt nach Molidorf. Die erwähnte Arbeitsgruppe setzte sich aus folgenden Personen zusammen: Marck Remsing aus USA, Anita Pare aus Kanada, Horst Kohl, Jakob Dieppong und ich, Mathias Binder. Wir mieteten einen Pkw und fuhren über Wien nach Molidorf. Wir hatten schönes Wetter und konnten so mit schwerem Gerät mit der Räumung der Fläche beginnen. Mit der Motorsäge verschafften wir uns auf dem alten Friedhof einen Zugang zu Grabsteinen.

Im Jahr 2008 wurden die Grabsteine gereinigt, verteilt und einbetoniert. Das Kreuz, dessen Fundament und der Bereich für die Text-Tafel wurde aus Backsteinen gemauert, verputzt und gestrichen. Der Hauptweg wurde mit Kunststein-Platten verlegt. Das übrige Gelände bedeckten wir mit 14 Tonnen Kies.

Am 10. Juli 2008 war die Einweihung. Gerade als diese fertig war, kam ein Wagen, aus dem vier Leute ausstiegen. Es war der zweite Bürgermeister von Nova Crnja mit drei Begleitern. Sie begrüßten uns, legten einen Kranz nieder und der Bürgermeister hielt eine kurze Ansprache, indem er uns begrüßte und auch die Molidorfer im Ausland zum Besuch einlud. Er betonte, dass nun eine andere Zeit da wäre und es kein Unterschied sei, welcher Nation man angehören würde. Ihm persönlich tat es leid, dass es den Ort Molidorf nicht mehr gibt. Er lud uns nach Nova Crnja in das Haus der Gemeindeverwaltung zum Kaffee ein. Die Feuerwehr der Gemeinde versorgte uns später mit einem köstlichen Bohnen-Eintopf.

Im Jahr 2009 fuhr ich in Begleitung von Rolf Gensheimer wieder nach Molidorf, wo wir diverse notwendig gewordene Nachbesserungen vornahmen. Es sind aber noch einige Arbeiten zu erledigen, die wir heuer erledigen wollen.

Ich möchte ALLEN danken, die uns durch ihre direkte Spende an mich dazu beigetragen haben, dass diese Gedenkstätte errichtet werden konnte. Ein besonderer Dank gebührt Pfarrer Laszlo Petho, der selbst Hand angelegt hat. Ohne seine Unterstützung hätte ich mir sehr schwer getan.

Unter donauschwabe.npage.de sind einige Bilder oder Kurz-Videos zu finden.

Anmerkung der Landesleitung:

Matz Binder und seinen Freunden gebührt für ihre großartige persönliche Einstellung und für ihre Tatkraft nicht nur der Dank und die Anerkennung unserer ganzen Volksgruppe, sondern sie sind auch ein weiteres Beispiel dafür, was man durch Eigeninitiative schaffen kann.

Gerade an diesen Orten des Grauens, wo unsagbares, menschlich kaum fassbares Leid geschehen ist und massenhafter Tod auf der Tagesordnung stand, müssen Gedenkstätten an diese Verbrechen an unschuldigen Menschen erinnern und zur Mahnung vor Wiederholungen – wie es in Ex-Jugoslawien mittlerweile leider schon wieder mehrfach geschehen ist – warnen.