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Offizielle Einladung zum Besuch der Vojvodina

von Hans Holz

Über Einladung des Vizepräsidenten der „Autonomen Provinz Vojvodina“ Sandor EGERESI weilte eine offizielle „politisch-wirtschaftliche Delegation“ unter Führung von Bgm. a.D. OSR Hans Holz, Ehrenobmann der Landsmannschaft in Oberösterreich, vom 13. bis 16. Mai 2004 in Städten und Gemeinden der Vojvodina, unserer einstigen Heimat. Zweck der Besuchsreise: Interesse an Land und Leuten allgemein, an der politischen und wirtschaftlichen Situation der Provinz, an der rechtlichen Situation der deutschen Minderheit in Verbindung mit den anstehenden Problemen nach dem alten Grundsatz „Mit Red’n kommen d’Leut zam“ und Pflege des vertrauensvollen Miteinander zur positiven Regelung unserer donauschwäbischen Anliegen.

Die Reiseteilnehmer waren: Abgeordneter zum Nationalrat, Karl Freund, Landwirt in Lambrechten; Bezirkshauptmann a.D., W.HR. Dr. Alfred Kimberger, Schärding; Komm.Rat Karl Pilstl, Handelsagentur GesmbH, Raab, OÖ; Komm.Rat Johann Scheuringer, Seniorchef der Fa. JOSK, Kopfing-Andorf; Ökon.Rat Fritz  Wieshammer, Landwirt in Andorf und langjähriger Spitzenfunktionär der oö. Milch und Molke Molkerei Wirtschaft; Josef TONI, Baumeister u. beeid. Schätzmeister Ried, OÖ, Landsmann aus Ruma und zwei weitere an Land und Leuten interessierte Herren.

Der Empfang erfolgte in der Wirtschaftskammer in Novi Sad. Vizepräsident Filipovic und Milan Stojanov, als Ratgeber der WKV hießen die Delegation herzlich willkommen. Filipovic stellte sodann die Hauptstadt Novi Sad vor. Die Stadt ist administrativer, wirtschaftlicher, kultureller und bildungsbezogener Mittelpunkt der AP-Vojvodina. Die Fläche umfasst 702 km2 und hat rund 400.000 Einwohner.

Die Vojvodina ist das wirtschaftlich entwickeltste Gebiet. Die Landwirtschaft umfasst 1,78 Mio. ha ertragreichen Bodens; rund 84% der Gesamtfläche, wovon 52% Schwarzerde (Humus von Natur aus!) die Bodenqualität auszeichnet. Die Wirtschaft des Landes befindet sich z. Zt. im Prozess der Umstrukturierung und des Übergangs der nationalen Ökonomie in die Marktwirtschaft. Der Entwicklungsstand der AGROTECHNIK befindet sich auf relativ niedrigem Niveau und die finanzielle Situation der Landwirtschaft ist alles andere als gut. Bis 2007 soll der Prozess der Umstrukturierung der wirtschaftlichen Systeme abgeschlossen werden, welche auf den Prinzipien der Marktwirtschaft beruht und größtenteils mit dem System der EU harmonisiert ist.

Nach der Erwiderung der Grußadresse bedankte sich der Delegationsleiter für den freundlichen Empfang und leitete über zu einem politisch-wirtschaftlichen Wechselgespräch, das für beide Seiten sehr interessant war.

Die Weiterfahrt führte uns ins Banat nach Zrenjanin (vormals Groß Betschkerek). Im Hotel „Vojvodina“ erwartete uns Frau Maria BENAK, Diplom-Juristin in der Stadtverwaltung. Frau Benak ist zugleich auch Chefredakteurin der deutschen Radiosendung FEDRA im Banat.

FEDRA ist eine humane Organisation, die u. a. wöchentlich eine Stunde Radiosendung ausstrahlt. Die Redakteure bilden ein Team, die Kenner und Verehrer der deutschen Sprache und Kultur sind und erreicht haben, eine Radiosendung in Deutsch auszustrahlen. Die Mit- und Zusammenarbeit ist ehrenamtlich. Die Sendung erfolgt jeden Sonntag um 12.10 Uhr.

Am Freitag, 14. Mai wurden wir vorerst im Rathaus zu Zrenjanin offiziell empfangen und sehr freundlich begrüßt. Der Vizepräsident Borislav Gradjanski stellte die anwesenden Spitzenvertreter der Stadt vor:

Milan Radovanovic, Vorstand der Wirtschaftskammer, Szedo Pajic´ , der offizielle Vertreter der privaten Wirtschaftstreibenden der Stadt, ferner die Direktorin der Ölfabrik „DIAMANT“, Ljiljane Dimitrijevic, eine Dipl.ecc. und Import- und Export Managerin und die Vertreter der Medien.

Nach der interessanten und hoffnungsvollen Vorstellung der Bemühungen der Wirtschaft, wobei trotzdem die Finanzkraft des Staates zur besseren Belebung der Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen (30% Arbeitslose!) bemängelt wird, dankte der Delegationsleiter und stellte seine Begleitung vor. Zugleich leitet er über zu einem Wechselgespräch, um wertvolle Erfahrungswerte in wirtschaftlicher Hinsicht zu vermitteln. Nach Austausch von Ehrengeschenken und Dankesworten für den freundlichen Empfang verabschiedete sich die Delegation zur Weiterfahrt nach BECEJ, zur Industrieanlage „SOJAPROTEIN“.

Der Empfang und die Begrüßung erfolgte durch den Generaldirektor Stanko Popovic. In einem Farb-Videofilm wurde uns der Betrieb vom Rohprodukt SOJA bis zum fertigen Verkaufsprodukt vorgestellt. Dieser modernst eingerichtete Betrieb steht seit Jahren in einem engen wirtschaftlichen Kontakt mit der Fa. Handelsagentur GesmbH, Karl Pilstl in Raab. Der Sohn von Karl Pilstl ist im Aufsichtsrat des Betriebes vertreten. Nach dem Mittagsmenü und weiteren informativen Gesprächen mussten wir uns verabschieden, wohl mit besten Eindrücken von einem hervorragend geführten Betrieb.

Von Dusˇanka Manic´ (Referentin für Minderheiten in der Vojvodina) und Maria Bena aus Zrenjanin war auch dieser Besuch bestens vorbereitet. Es erwartete uns der Bürgermeister Mesan Zojednica und sein Gemeinderat mit weiteren Vertretern der Gemeinde. Der Empfang im Rathaus war sehr freundlich. Der Bürgermeister begrüßte die Delegation und freute sich außerordentlich, dass ein Bürgermeister aus Ernsthausen – nun Andorf – Oberösterreich – seine Heimatgemeinde mit einer hochrangigen Delegation besucht.

Er stellte die Gemeinde aus heutiger Sicht vor (rund 1.600 Einwohner). Schließlich überreichte er an den „Kollegen“ Hans Holz zwei Bücher über die Gemeinde „Banatski Despotovac heute“ und für ihn persönlich seine Geburtsurkunde aus 1923. Bgm. a.D. Holz erwiderte den Willkommensgruß, dankte für den überaus herzlichen Empfang und stellt „seine“ einstige Heimat aus seiner Erinnerung dar; sodann überreichte er seinerseits Geschenke der Marktgemeinde Andorf. Anschließend wurde die Delegation zu einem Umtrunk und Imbiss in das nahe gelegene Gasthaus eingeladen.

Im Anschluss: Besuch des Friedhofs und meines Elternhauses und eine weitere Rundfahrt durch die Gemeinde und Erläuterung des Ortsbildes von 1944 gegenüber dem jetzigen Zustand. Natürlich war ich am meisten betroffen und seelisch erschüttert, ob des jetzigen äußeren Aussehens. Die dort wohnenden Menschen dürften sich jetzt dennoch wohl fühlen.

Ernsthausen trug das Merkmal einer überlegten Planung und Ordnung. Das Ortsbild unterscheidet sich von vielen deutschen Nachbargemeinden durch die Anlage. In der Mitte des Dorfes – RUNDELL genannt, stand die kath. Pfarrkirche (1882 im neugotischen Stil erbaut – 1946 von den Partisanen abgerissen). Um die Pfarrkirche gab es eine gepflegte Parkanlage. In der „RUNDELL“ säumten kreisförmig die Häuser den weiträumigen Platz, von dem vier Hauptstraßen in die vier Himmelsrichtungen führten.

Heute: Das Ortsbild ist total zerstört, mehrere Häuser fehlen, andere sind dem Verfall nahe oder abgerissen, unbewohnt und ungepflegt. Mit einem Satz: Es ist nicht mehr meine so geliebte Heimatgemeinde.

Wie mir der Bürgermeister erklärte, will die jetzige Gemeindevertretung im Gedenken an die ehemaligen deutschen Bewohner ein Ehrenmal setzen und derer in Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenken.

In Rudolfsgnad besuchten wir den Friedhof mit dem Massengrab von 3.000 Toten und anschließend die „TELETSCHKA“ mit 9.000 Toten. Im Ort selbst wurden wir vom Obmann des Vereins „Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.“ Lorenz Baron und Lorenz Bless – ehemalige Rudolfer – begrüßt und begleitet. Die Teilnehmer der Delegation waren betroffen, ob solch schrecklicher Geschehnisse unmittelbar nach Kriegsende bis März 1948, nachdem die älteste Generation der Deutschen im Banat und unzählige Kleinstkinder dort zu Tode gekommen sind.

Anschließend war die Stimmung bedrückt, der weitere Empfang im kleinen Saal der Gemeinde war durch die Herren Josic´ und Stojkovits sehr aufmerksam und freundlich. Beide Herren sind Freunde der Familie Baron und unterstützen die Bemühungen des Vereins „Gedenkstätten Rudolfsgnad“ zur pietätvollen Gestaltung und Pflege des größten Vernichtungslagers in der Vojvodina.

Nach der Rückkehr verbrachten wir den Abend im Hotel „Vojvodina“ mit Journalisten und Freunden von Radio FEDRA zu einer Reihe von Interviews und persönlichen Gesprächen.

Am Samstag, 15. Mai waren wir Gäste bei der Eröffnung der „Novi Sader Messe“. Frau Manic und ein Dolmetscher empfingen uns und begleiteten uns zu einem reservierten Sitzplatz. Nach der Eröffnungsfeier – mit Ansprachen etc. wie bei uns – folgte der Rundgang. Die Messe selbst vermittelte repräsentativen Standard – ganz im mitteleuropäischen Sinne, auch international vergleichbar. Der Besuch war sehr gut, die Stimmung ebenso und hier merkte man kaum etwas von der Not vieler Menschen im weiteren Umland.

Nach einem zweistündigen Rundgang wurden wir vom Vizepräsidenten Sandor Egeresi zum Mittagessen eingeladen. Dabei wurden nun allgemeine Gespräche zur derzeitigen Politik und der Wirtschaft in der Vojvodina nach der Wahl im Dezember 2002 geführt, ebenso über die Provinzwahlen in der Vojvodina im Herbst dieses Jahres, mit gewisser Sorge zur radikalen Seselj-Partei angesprochen.

Ich unterhielt mich mit der Referentin für die Minderheiten in der Vojvodina, Dusanke Manic´, vor allem über die „Historikerkommission“ zur objektiven Aufarbeitung der Zeitspanne 1941–1944 und das Verhältnis der Donauschwaben und Serben in der Vojvodina zu dieser Zeit.

Laut Aussage der Referentin soll es in diesem Sommer zu einem gemeinsamen Treffen zwischen den Historikern der Vojvodina und unseren Delegierten aus Österreich und Deutschland kommen.

Meine persönliche Meinung ist aufgrund der jetzigen Minderheitenregierung unter Kostunica wenig optimistisch, zumal für die Donauschwaben wenig Hoffnung bleibt, überhaupt in ein ernsthaftes Gespräch über die Aufhebung der AVNOJ-Gesetze, geschweige über Fragen der Wiedergutmachung oder gar einer Entschädigung zu kommen!

Die Heimreise erfolgte über Sombor. Für mich kamen alte Erinnerungen auf – Werbaß (LBABesuch), Tscherwenka, Kula, Siwats etc. Herr Beck und Herr Wesinger, der zufällig dort zu Besuch weilte, empfingen und begleiteten uns zum Nächtigungshotel. Am Abend waren wir Gäste bei Familie Beck. Nach der Verkostung einer wohlschmeckenden Fischsuppe unterhielten wir uns auch über die Situation der deutschen Minderheit.

Am Sonntag, 16. Mai, ging die Heimreise weiter über Mohacs, Pecs, Plattensee, Sˇ arvar, Sopron, Österreich. In Baden bei Wien besuchten wir einen Nobel-Heurigen und hielten Rückschau zu dem Erlebten und Gesehenen.

Meine Reiseteilnehmer zeigten sich beeindruckt von der einstigen Kornkammer Österreichs, von der Güte des Bodens und der Fechsung, die sich prächtig ankündigt, von der beachtlichen kulturellen Leistung der deutschen Generationen innerhalb der vergangenen 250 Jahre bis 1944, aber auch vom jetzigen pulsierenden Leben in den Städten Novi Sad und Zrenjanin; jedoch enttäuscht und betroffen von den bäuerlich bewohnten Landgemeinden, in denen das „Leben“ stehen geblieben ist, kaum Investitionen zu sehen sind und das Ortsbild ohne Unterschied sich „grau in grau“ vermittelt, wodurch auch der Lebensstandard leidet.

Eine abschließende Bilanz lässt sich trotzdem ziehen, nämlich: „Je mehr Begegnungen unsere Landsleute mit den Menschen in der Vojvodina pflegen bzw. haben, desto mehr gewinnen sie menschliches Verständnis und Vertrauen, dass das kommunistische Regime unter Tito und dessen Nachfolger Milosevic ungerecht und gegenüber einer friedliebenden deutschen Bevölkerung nach 1944 verbrecherisch war.“

Wie sagte doch der Stellvertreter Titos KARDELJ lange nach dem Ende des 2. Weltkrieges in einem Interview mit Max Geissl und Barban Mai – im Buch „Die Deutschen im Osten“ nachzulesen:

„Wir haben mit den Deutschen das produktivste Element unseres Staates vernichtet“. Traurig – aber wahr!