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Unverlierbare Heimat

(J. Wolf)

Wer die Heimat kannte,

die ich Heimat nannte,

der verlor sie nicht;

tief ins Herz geschrieben

ist sie ihm geblieben,

wie ein Seelenlicht.

 

Nichts hab ich besessen,

doch auch nichts vergessen;

alles blieb bestehn.

All der Blumen Düfte,

Vogelsang der Lüfte

können nicht vergehn.

 

Warum soll ich trauern

um zerfallene Mauern,

die mir nie gehört?

Heimat ist im Innern,

mehr als nur Erinnern,

bleibt drum unzerstört.

Wer die Heimat kannte,

die ich Heimat nannte,

der verliert sie nie;

tief ins Herz geschrieben

ist sie ihm geblieben –

eine Herzensmelodie.

.

 

E Schwob is halt dabei

(von Johann Wagner)

Gehscht in dr Welt wu immer hin,
Gehscht dart, wu bal ke Leit mer sin
findscht noch e paar, a Stucke drei,
ich wett, e Schwob is aa dabei.

Heeßt’s mache, wies bal niemand kann,
prowiere, stelle sich jo vieli an;
es glickt a paar, es glickt zwoi, drei,
ich wett, e Schwob is aa dabei.

Heeßt’s hergin was, ob Geld, ob Gut,
Heeßt’s opfre aa noch’s Herzeblut;
Tun’s ohni Zwang zwoi odr drei,
Ich wett, e Schwob is aa dabei.

Nar wu sa heila wie die Welf,
Uftische alles var dr Welt,
Dart such ke Schwob, dart findscht nit een:
Er traat sei Leed ganz stumm alleen.

 

 

Heimat

(Jakob Wolf, *1914)

Alles geht vergessen:
Reichtum, Ruhm wie Glück.
Was wir einst besessen,
sinkt ins Nichts zurück.

Nur an einem Orte
wob die Heimlichkeit
uns der Sehnsucht Pforte
über Raum und Zeit.

Was wir tun und lassen
niemals schwinde sie;
Sterne leicht erblassen,
doch die Heimat nie.

Mag die Welt uns schenken
Reichtum, Ruhm und Glück –
immer wieder denken
wir an sie zurück.

Immer wieder hoffen
wir der Wiederkehr;
stünd' uns alles offen,
blieb doch alles leer.

Niemand kann verwehren
uns der Heimat Glück:
nachts im Traum noch kehren
wir zu ihr zurück.

 

 

Mei Mottersproch

(Jörg von der Schwalm- Pfarrer in Pantschewo)

Viel Sproche gibts in unserm Land,
E jedi is m’r recht.
Sie sin m’r alli gut bekannt,
Doch koni klingt m’r echt.


Am liebschte unner alle noch,
Is m’r halt doch mei Mottersproch.
Mei Motter hat si mich gelehrt,
Drum is si m’r so lieb.


Und wer sei Mottersproch net ehrt,
Is schlechter als a Dieb.
Drum red un schreib ich immer noch
S’ liebscht in meiner Mottersproch.


So fein wie Hochdeitsch is si net,
Und is a net so zart,
Doch steh ich gut dafier un wett:
Sie is vun deitscher Art.


Drum halt ich iwer alles hoch,
Mei liewi Pälzer Mottersproch.

 

 

Mei Muttersproch

Mei Muttrsproch is lieb un zart,
a Sproch von ganz bsondr’r Art.
A bissl was vun Schwowe, Rheinpfälzer, Baire un Franke,
des hawich meini Ahne zu vrdange.


Mei Muttrsproch is lieb un zart,
vun mehri Dialekte zamgepaart,
vrmischt un so entstann,
werd sie gredt vom Baur bis zum nowli Mann.


Mei Muttrsproch is lieb un zart,
ich hab sie noch in mir bewahrt,
hab Owacht gewe, dass ich nix vrlern,
ich redt sie immer noch für mei Lewe gern

 

 

Mei Trhom

(Hans Himmelsbach)

Tart wu im Tarf so schee und brat war di Gassa,
in dem Land das mir hen missa verlassa.
Tart wu di Baura uf die Felder ackra,
un im Hof die Hingla gackra.
Wu tr Kih un Schweihaldr in dr Fruh tut plos,
un ich beim Schpiel hab vriss mei Hos.
Tart wu di Leit alli Sunndags in di Kirch sin gang
un wu mr di Fliege mitm Mukapickr hot gfang.
Tart wu uf tr Gass steht dr grossi Nusspom,
sikts Leit tart war ich trhom.

Tart wu im Herbscht tr Kukrutz wird gabroch,
taurts bis zum Schlachta nar mehr a paar Woch.
Tart wu mr peim Schlachta schun vum neii Wei gatrung,
un in tr Kammr henga ti Brotwirscht un ti Schunga.
Tart wu tr Palwiera noch ins Haus is kum
un ti Baura fars ackra ti Patschkr hen gnum.
Tart wu uf ti Milchtegl drei Fingr dick tr Rom,
sikts Leit, tart war ich trhom.

Tart wu tr Trummlmann ti Neiichkeida hot ausgtrummlt
un ti Schnittr ufm Feld sich hen gtummlt.
Tart wu vor tr Kirch tr Platz war jedi Woch
un wu mrs Schnaps brenna vun weit schun hot groch.
Tar wu ti Fraue gkocht hen ti Sarma un ti Bona und Nudl
un gaback hen ti gudi Nuss und Magstrudl.
Tart wu ti Schwowa hen es Land urbar gmacht
un ich als Kind han gschpielt und glacht.
Tes is tes Land, vun tem ich noch immr trom,
sikts Leit, tart war ich trhom.

 

 

Ooweds em Summer

(Karl-Hans Gross)

Es is schun thuuschter en der Gass,
de Mond schleicht aus eem Welkche,
un iwerm Haus do phischpert was,
ich men es is e Schwälbchje.
,Guttnoowed., uff der anner Seit,
dort senn zwaa dungle Schatte,
es husche annenanner Leit,
sie tummle sich vunschtatte.
Un ruicher ketts em Dorf recht ball,
em Fenschter Lichter funzle,
e Kuh pläärt noch em uffne Schtall,
paar Schwein em Zallasch grunzle.
Sunscht is es schtill en alle Heff,
die Nacht schteht en de Schteere,
mer heert heit aa khe Hundgekleff,
die Ruh kett khall en Ehre.
Em Gassetierche warte tuun
ich schun a ganzes Weilchje
un frei mich uff dei Kumme schun,
die zuckersießes Meilchje.
Un iwwer uns wie angemoolt,
de Mond, die Schteere geelich,
vum Himmel hätt ich dir se khollt,
un wär derbei noo seelich.

 

 

Mei Kandler-Urähndl

Ich schau in die Sunn,
do war so a Schimmr,
ich schau vun meim Fenschtr
im hinre Zimmr.

Do sig ich dr Weg,
der in dr Weigarte fihrt,
sig aa mei Urähndl,
die uffs Feld marschiert.

Sie is schun alt un kloo
un dinn wie a Stecke,
setzt sich mittags in dr Hitz
als unnr die Hecke,
rught a bissl aus,
dass die schwer Arwet weitrgeht.

Hot oogfange in dr Fruh um finf
bis oweds spät,
mit iwr achzich Jahr, leischt sie noch viel
un vrsorgt sich noch selwr,
sie macht noch alli Arwet,
geht uffs Feld und zum Gwelwr,
un wär dr Krieg nit kumme,
vielleicht tät sie noch lewe,
un tät mich manchmol an dr Hand noch hewe,
tät sage: „Och du mei goldich Kind,
wie schee die blondi Haar
un die schwarzi Auge sin!“

Un ich tät ihre schmeichle
un tät die ausgarwet Hände ihre kisse –
awr sie waß es jo nit,
dass ich sie tu stark vrmisse!

 

 

Die Kur

(v. Gustav J. Flander)

Do unlängscht hat mei Dokter gmennt,
dass so a Kur net schade kennt.
Ich hann gepackt un bin halt gang,
was anri kenne – kannscht du lang.
Die erscht Unnersuchung war negativ,
han net gwißt, ws mir noch blieht
vun wege Massasch – werscht gedruckt un geknet
un wie an Handtuch zammgeleet.

Zum Fruhstuck, ihr Leit – was soll ich saan,
des ganzi war doch nor a Traam,
Kleiebrot – die nenne’s Knäcke,
es soll jo gsund sin - un soll schmecke,
a Thopse Margarine statt Butter zur Not,
mir schmeckt am beschte a Krieweschmalz ufm Brot.

Un noo, am Mitta – gekochte Fisch,
a Krumbier ufm Teller – a Glas Wasser ufm Tisch,
ich froo noo meim Schnitzl – die Bedienung lacht,
un had midr Hand de Vogl gmacht.

Es Nachtesse will ich gar net beschreiwe,
mir kume di Träne, also losse mers bleiwe,
wer sowas sich ausdenkt, ghert verschlaa mitm Knippl,
so a Kur macht a Schwob doch erscht recht zum a Krippl.

De Kur is noo trotzdem gut vrloff,
des war aach es mindescht, was ich jetz hoff,
noch aamol unnersucht – ich war frisch un gsund,
nor de Schatte im Gledbeidl, den hann se net gfunn.

Drum glabt mer, ihr Leit – ihr kennt jetz lache,
so a Dummheit wer ich nimmi mache!

 

 

Weiwertratsch

(von Gustaf J. Flander)

Es treffe sich zum Sundachspass
drei aldi Weiwer uf der Gass.
Sie wisse ganz genau und braad
de Tratsch im Dorf – wie mer so saad,
un weil net vill zu berichte is,
do saad zu erscht die Besl Loss:

„ich bin jetz achzich – gut beinand,
un mach im Haus noch allerhand,
ich les die Zeitung – des is doch was,
noch immer ohni Aueglas“

Die Besl Nani mennt noo kloor:
„Ich bin jetzt vierunachzich Johr
un kann noch immer – ihr misst vrstehn,
ohne Stecke maaje gehen.“

Do lacht die Besl Suss ganz laut
un saad recht ernscht un vrtraut,
die achtunachzig hätt sie rum
un aach zu etwas noch gebrung:
„Ich bin noch leddich un immer froh
un hoff, des bleibt aach weidr so.“

 

 

Alte Bäume versetzt man nicht

Als Oma mit nach Deutschland kam,
war sie nicht allzu glücklich.
Als sie dann Einkauf übernahm,
ward sie sogar verdrießlich:
"Drei Kilo Krumbere mecht ich hann,"
sprach sie zu dem Verkäufer.
Der sah sie unverständig an.
"Ham wir nicht", sagte er in seinem Eifer.
"No mecht ich noch e Pund Parteis -
"Liebe Frau, soviel ich weiß,
führen wir auch dieses nicht."
"Do gebt mr hal e Pack Ziwebe",
versuchte Oma zu verlangen.
"Gerne würd' ich's ihnen geben,
doch ... "Er wußt' halt nix damit anzufangen.
"Na, gebt m'r halt  zwa Stange Krien,
die han ich doch im Korb drauß gsiehn."
"Sie haben sicher falsch gesehn",
warf er ihr oberflächlich hin.
"Ich breicht ach Knofl un e Zeller,
Grienzeich un Lemoni noch drzu."
"Liebe Frau", sprach der schon schneller,
"bittschön, lassen's mich in Ruh,
Sie sehen ja, ich hab zu tun.
Schauen Sie sich im Geschäf erst um,
dann werde ich gerne Sie bedienen.
Finden Sie nichts, dann rat ich Ihnen:
Versuchen Sie's mal um die Ecke,
dort finden Sie die Apotheke.
Oder gehn's zum Türken nebenan,
vielleicht, dass der Ihnen helfen kann."

Damit war die Geschicht nicht aus.
Den Rest erzählte Oma dann zu Haus:
"Ei, hat mr sowas schon mol gsiehn,
dass mr im G'schäft gar nix kann krie'n?
Ich han doch gsiehn, dass se es han,
doch de hintrlischtich Mann,
sagt emmer nor: "Das hab'n wir nicht!"
oder aach: "Das führ'n wir nicht!"
De wollt mr eenfach nix vrkaafe.
Umsunsch tät ich em Gschäft romlaafe,
hann deutlich gsiehn newr'm Spinat
war im Korb ach de Zalat.
Ich vrlang drvun, doch der wischti Mann
saat, dass se des aach net han,
mt sei'm ewich "Hab'n wir nicht!"
Do schau ich zornich ehm ins Gsicht
un saag ganz schtaat un trcke:
"Ei do bleibt doch uf eir'm Zeich hucke!"

.

 

Quelle: Georg Weiner, Heitere Geschichten aus der Heimat der Donauschwaben, (Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung - Stiftung des privaten Rechts -, München), München 1997.