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Adam Müller-Guttenbrunn

(1852–1923) 

von Dr. Peter Fraunhoffer

 

Er ist der fruchtbarste Schriftsteller der Donauschwaben.

Wegen seiner Bedeutung fürdie Rettung des deutschen Kulturlebens im Banat in der Zeit der massiven Magyarisierung wurde er als der „Erzschwabe“ bezeichnet.

Als uneheliches Kind 1852 in Guttenbrunn im rumänischen Banat geboren (die versprochene Ehe wurde vom Großvater, einem Großbauern der gegen die nicht standesgemäße Heirat war, hintertrieben) hatte er keine leichte Kindheit. Er wuchs bei seinem Großvater mütterlicherseits auf. Nach dem Besuch der Volkschule in seinem Heimatort kam er nach Temeschburg in die deutsche Normalschule.

Im Piaristen-Gymnasium wurde schlagartig die magyarische Unterrichtssprache eingeführt und er scheiterte. Nun kam er drei Jahre in eine Lehre als Barbier und Feldscher, ging dann aber 2 Jahre ins deutsche Gymnasium in Hermannstadt (Siebenbürgen). 1870 geleitete ihn sein Onkel nach Wien, wo er das Bader-Handwerk erlernen sollte. Als außerordentlicher Hörer besuchte er Vorlesungen an der Universität Wien. Der Besuch der Handelsschule und eines Telegraphenkurses in Wien gab ihm die Möglichkeit eines Brotberufes. Ab 1873 war er in Linz und Bad Ischl als Telegraphenbeamter tätig.

Schon in Wien nütze AMG die Gelegenheit zu Theaterbesuchen und zur Teilnahme an literarischen Veranstaltungen. In Linz schrieb er sein erstes Theaterstück, welches erfolgreich aufgeführt wurde und eine positive Kritik erhielt.

1879 ließ er sich nach Wien versetzen und arbeitete weiter im Telegraphendienst, aus dem er sich 1885 beurlauben ließ. Nebenbei war er seit 1883 journalistisch tätig und wirkte ab 1886 als Theaterkritiker und Feuilletonist.

1893–96 war er Direktor des Raimund-Theaters und von 1998–1903 Direktor und Pächter des Kaiser-Jubiläums-Stadttheaters (heute Wiener Volksoper).

Ab 1903 ist er nur noch als Journalist und Schriftsteller tätig. In die Zeit seiner Direktion am Raimund-Theater geht die Einrichtung von Schülervorstellungen an Samstagnachmittagen zurück, die von anderen Theatern ebenfalls eingeführt wurden.

So fällt ihm die Rolle des geistigen Schöpfers des Wiener „Theater der Jugend“ zu. Den Zuschauern aus bescheidenen Verhältnissen wurden 300 „30 Kreuzer-Sitzplätze“ angeboten, um ihnen den Theaterbesuch zu ermöglichen.

Sein Interesse galt auch der Volksbildung. 1886 gab er die Flugschrift „Die Lektüre des Volkes“ heraus. Dies führte zur Entstehung des „Wiener Volksbildungs-Vereins“ (heute Volkhochschule) und der Volksbüchereien. AMG war Gründungsmitglied und über viele Jahre erfolgreich in leitender Funktion tätig.

Für seinen Roman „Die Glocken der Heimat“ erhielt er 1911 den Bauernfeldpreis.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde AMG als Mitglied der Großdeutschen Partei 1918 Abgeordneter im Nationalrat. Als solcher trat er für den Anschluss Westungarns (Burgenland) an Österreich ein. Aus gesundheitlichen Gründen trat er 1920 zurück.

Die Universität Wien verlieh ihm 1922 „in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um das deutsche Schrifttum“ das Ehrendoktorat der Philosophischen Fakultät.

„In Würdigung seiner Verdienste um das Wiener Kunstleben“ wurde er vom Wiener Gemeinderat zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

Am 5. Januar 1923 verstarb er und wurde in einem Ehrengrab der Gemeinde Wien am Zentralfriedhof beigesetzt.

Auf sein umfangreiches Werk kann hier nicht eingegangen werden. Lediglich sein Schreiben und Wirken zur Unterstützung seiner Landsleute gegen den Verlust ihrer deutschen Identität sei hier erwähnt.

Der Akademische Verlag Wien ersuchte Guttenbrunn 1907 einen Roman über Ungarns Verhältnisse zu Österreich zu schreiben. Auf seiner Reise nach Ungarn kam er auch in seinen Heimatort. Dort musste er nach aufmunternden Worten zu den Bauern vor den ungarischen Gendarmen flüchten. Die vorgefundenen Zustände verarbeitet er in dem Roman „Götzendämmerung“ mit dem Untertitel: Ein Kulturbild aus dem heutigen Ungarn. Es wird darin auf die Magyarisierung und deren schädlichen Folgen hingewiesen.

Ebenfalls 1910 erschien der Roman „Glocken der Heimat.“ Darin wird der Überlebenskampf eines schwäbischen Dorfes gegen die Fluten von Donau und Theiß geschildert, das wegen falscher Entscheidungen chauvinistischer Behörden unterliegen muss. Bei dem beschriebenen Dorf Karlsdorf soll es sich um Rudolfsgnad und die Überschwemmungen des Jahres 1907 handeln.

1910 erscheint auch die Erzählung „Der kleine Schwab.“ Hier werden Jugenderinnerungen aufgerollt. Ein wegen Magyarisierungs-Maßnahmen gescheiterter Schüler der Piaristen-Schule kommt nach Siebenbürgen. Durch dieses Werk hat AMG einen Beitrag zum Solidaritätsgefühl in den problematischen Beziehungen zwischen Sachsen und Schwaben geleistet.

Der Magyarisierungsdruck wurde um die Jahrhundertwende besonders stark. Es kamen immer mehr deutsche Studenten aus Ungarn an die Wiener Universität. Im Wintersemester 1899/1900 konnte die „Vereinigung deutscher Hochschüler aus den Ländern der ungarischen Krone in Wien“ gegründet werden. Bei Versammlungen dieser Vereinigung lernte er zwei wichtige  Persönlichkeiten kennen, Edmund Steinacker und Rudolf Brandsch.

Steinacker, ein ehemaliger deutscher Abgeordneter in Ungarn, war der politische Vorkämpfer des Deutschtums in Ungarn. Brandsch ist ein Siebenbürger Sachse. Diese hatten in Wien ihre eigene Verbindung, den „Verein der siebenbürgischsächsischen Hochschüler in Wien“. Die Bemühungen der Männer eine Einigung aller Deutschen Studenten Ungarns zu erreichen führt 1910 zum Erfolg, als die Siebenbürger Sachsen geschlossen der Vereinigung beitraten.

Durch die Vereinigung aller deutschen Hochschüler aus Ungarn sollte eine kommende leitende Schicht zu bewusster deutscher Haltung herangezogen werden.

Die Magyarische Schulpolitik ließ deutsche Mittelschulen im Banat nicht zu. Durch den Besuch magyarischer Schulen ging mancher Schwabe dem Deutschtum in Ungarn verloren.

AMG schlug vor, schwäbische Studenten an den siebenbürgisch-sächsischen Mittelschulen studieren zu lassen.

Anfangs 1911 entstand die „Deutsch-Ungarische Schulstiftung“. Auch Dr. Stefan Kraft, der spätere Vorkämpfer des Deutschtums in Jugoslawien, wirkte mit. Mit Mitteln fast gänzlich aus dem Deutschen Reich konnten zahlreiche schwäbische Studenten unterstützt werden. Leider beendeten Krieg und Inflation dem Unternehmen ein baldiges Ende.

Die Romantrilogie „Von Eugenius bis Josephus. Ein deutsches Jahrhundert in Österreich“ (l. Der Große Schwabenzug, 2. Barmherziger Kaiser, 3. Josef der Deutsche) befasst sich mit einer literarisch gestalteten Geschichte der Schwaben, ihrer Herkunft, den gefahrvollen Donaufahrten auf den „Kehlheimer Plätten“ und „Ulmer Schachteln“ hinunter ins ferne Ungarnland, der Kampf gegen Unbillen der Natur und mit dem „Ausbeutergesindel“ in Pest, die Fußfassung in der neuen Heimat usw. Die ständige Existenzbedrohung und der Stolz der Menschen, ihrer Herkunft bewusst, schweißt Gemeinschaften zusammen.

Die Schwaben sollen stolz sein auf die Pionierleistungen unter fremden Völkern.

Die AMG-Forschung bezeichnet als sein reifstes und schönstes Werk den donauschwäbischen Familienroman mit autobiographischem Charakter. „Meister Jakob und seine Kinder“.

Trotz Namensänderung ist in der Gestalt des Meister Jakob sein Großvater, der Wagnermeister Müller und in Susi Weidmann die Mutter des Dichters auszumachen.

Die Lenau Trilogie (Sein Vaterhaus, Dämonische Jahre und Auf der Höhe) über den unglücklichen im Banat geborenen Dichter wird von vielen Literaturhistorikern als der literarische Höhepunkt AMGs bezeichnet.

Die Bücher Guttenbrunns waren in Ungarn verboten. Es ist bekannt, dass hunderte von Büchern verschenkt wurden, 2–3 an Gemeinden mit deutscher Bevölkerung, an Kasinos, Turn- und Gesangvereine, Lehrer und an Familien, aus denen Studenten kommen.

Nach 1918 fiel das Verbot vorübergehend, was eine rasche Verbreitung seiner Werke zur Folge hatte. Doch bald später begannen die Behörden wieder mit der Beschlagnahmung von AMGs Büchern.

So benützte er als Herausgeber eines Volkskalenders für seine Schwaben das Pseudonym „Vetter Michel“, wohl um sich vor Verfolgungen zu schützen.

Die Bedeutung AMGs im Prozess der ethnischen Bewusstseinsbildung der Donauschwaben ist durch seine Tätigkeit als Romancier, als Kulturpolitiker, als Publizist und Theaterreformator und nicht zuletzt als „Volkserzieher“ weit über die Siedlungsgebiete der Donauschwaben hinaus gewachsen. Er fiel im binnendeutschen Sprachraum durch seine Ausgleichsfähigkeit überregional auf, realisierte in seinen Romanen die Symbiose donauschwäbischer mit der allgemeinen österreichischen Thematik aus der Geschichte und Kulturgeschichte der Doppelmonarchie. Es gelang ihm vorzüglich, die brennenden Fragen und Probleme des Deutschtums seiner Zeit im Südosten Europas dem binnendeutschen Kulturraum zu offenbaren und der dortigen Öffentlichkeit zu Bewusstsein zu bringen, dass auch „dort unten“ unschätzbare geistig-kulturelle Werte von latentem Potential, das es zu fordern und zu fördern gelte, geschaffen wurden und werden.

Literatur:

Dr. Anton Peter Petri: Biographisches Lexikon des Banater Deutschtums

Hans Dama: Adam Müller-Guttenbrunn und die Ungarn

Josef Volkmar Senz: Geschichte der Donauschwaben

Durch Herausgabe von Briefmarken ehrte die rumänische Post 1998 deutsche Persönlichkeiten aus dem Banat: Stefan Jäger, Adam Müller-Guttenbrunn und Nikolaus Lenau.

Der Schwabenverein Linz legte zum 100. Geburtstag Guttenbrunns 1952 eine Festkarte mit dem Porträt des Jubilars auf.