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1683 – ein schicksalsträchtiges Jahr für Europa - .......

Das Jahr 1683 sollte für Europa ein schicksalsträchtiges Entscheidungsjahr werden: Als der türkische Großwesir Kara Mustafa im Frühjahr gegen den Westen die Roßschweife ausstecken ließ, was als Kriegserklärung zu werten war, zitterte das Abendland davor, dass diesmal sein Griff nach dem "Goldenen Apfel der Deutschen" (die türkische Bezeichnung für Wien) gelingen könnte. Das türkische Riesensheer nahm seinen Weg auf der traditionellen Heeresstraße über Nisch, Belgrad, Esseg und Raab nach Wien, wo es am 14. Juli ankam und mit der Einschließung der Residenzstadt des Kaisers begann, der nach Passau geflüchtet war. Am Tag darauf reitet nach türkischer Tradition ein Sipahi (Angehöriger der türkischen Reiterei) mit der Aufforderung vor die Tore Stadt, sie solle den Islam annehmen und sich auf Tribut ergeben. Als dies abgelehnt wird, beginnen die 300 türkischen Geschütze mit der Kanonade der Stadt, deren Belagerungsring durch das fast 200.000 Mann zählende Heer am 16. Juli geschlossen wird. Doch der zahlenmäßig weit unterlegenen Besatzung Wiens gelingt es, alle türkischen Angriffe abzuwehren, bis endlich am 12. September das heranrückende Entsatzheer den Türken am Kahlenberg eine vernichtende Niederlage zufügt.

 

Man kann aus heutiger Sicht und Ausdrucksweise diese türkische Niederlage mit guter Berechtigung als das "Stalingrad" der Osmanen bezeichnen, denn das mächtige türkische Imperium hatte nicht nur eine Schlacht verloren, sondern das Blatt hatte sich grundsätzlich gewendet. Durch das Debakel des osmanischen Riesenheeres bei Wien war die Initiative auf den Kaiser und seine Verbündeten übergegangen. Das Ziel der nunmehr offensiv geführten Gegenaktionen war die Befreiung des Donauraumes und ganz Ungarns von 160-jähriger osmanisch-türkischer Herrschaft.

 

Das Geschichtsbild des großen Türkenkrieges von 1683 -1699 ist gekennzeichnet von den wuchtigen Schlägen, die entlang der Donau als Hauptstoßrichtung der Gegenoffensive von den kaiserlichen Truppen unter so fähigen Truppenführern, wie Karl Leopold V. von Lothringen, Markgraf Ludwig von Baden und Prinz Eugen von Savoyen gegen die bis dahin als unbesiegbar geltende Militärmacht der Türken geführt wurden. Hier soll nicht einer militärischen Glorifizierung dieser Jahre das Wort geredet werden und es ist auch hier nicht der Ort, um im Detail auf die militärischen Geschehnisse einzugehen. Die glänzenden Siege der kaiserlichen Armeen waren aber die Voraussetzung für die Wiedergewinnung und die Wiedereingliederung des mittleren Donauraumes in den mitteleuropäischen Kultur- und Zivilisationsbereich, von dem er über einundeinhalb Jahrhunderte abgeschnitten war. Wir wollen sie so sehen und werten wie Hugo von Hoffmannsthal, der ineinem Vortrag über den Prinzen Eugen von Savoyen folgendes sagte:

"Er erobert, und wo er erobert, dort sichert er; er gewinnt Provinzen mit dem Schwert zurück und gewinnt sie auch wirklich. Unversehens blühen ihm unter schöpferischen Händen und überall aus kriegerischen Taten die Werke des Friedens hervor. Hinter seinem Heer geht der Pflug und im Walde die Axt des Kolonisten" .

 

In diesen Sätzen ist in poetischer Formulierung das Wesentliche jener Zeit, die heute schon über 300 Jahre zurückliegt, klar und treffend beschrieben. Schon während der Türkenkriege setzt die Südostkolonisation der Habsburger ein, begann der Wiederaufbau, die Wiedereingliederung der von den Türken zurückeroberten aber verwahrlosten und verwüsteten Gebiete in den abendländischen Kulturkreis.

 

So hatte sich letztendlich Wien nicht nur als Bastion gegen die Expansion der türkischen Militärmacht bewährt, sondern wurde zum Ausgangspunkt eines umfassenden politischen und kulturellen Aufbauwerkes bis in die äußersten Tiefen des ungarischen Raumes in seinen damaligen historischen Grenzen.

 

Man kann demnach die Niederlage des türkischen Heeres des Jahres 1683 bei Wien und das Ende der Türkenzeit als die Geburtsstunde der Donauschwaben bezeichnen, da bald darauf die Südostkolonisation begann. Man kann die Donauschwaben -zusammenfassend definiert- als Nachkommen der Siedler aus deutschen und österreichischen Territorien bezeichnen, die vom Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jh. im Rahmen des von Österreich verwirklichten größten Kolonisationswerkes der Neuzeit im mittleren und unteren Donauraum angesiedelt und im Laufe ihrer Entwicklung durch Einflüsse einer gemeinsamen Geschichte und eines gemeinsamen Lebensraumes zu einem eigenen Volksstamm geformt wurden. Ihre Siedlungsgebiete erstreckten sich von der Mündung des Flusses Raab in die Donau bis zum Eisernen Tor in den Ausläufern der Karpaten, wo sie in einer Vielzahl von eigenen oder gemischtsprachigen Dörfern und Städten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges beheimatet waren. In diesem Bereich lebten im Jahre 1944 etwa 1.525.000 Menschen dieser Gruppe. Die Stammesbezeichnung "Donauschwaben" wurde 1922 von Robert Sieger, dem Inhaber des Lehrstuhls für Geographie an der Universität Graz geprägt, in die Fachliteratur eingeführt und in der Folge auch für den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen.

 

Die mit großen menschlichen und materiellen Opfern erfochtenen Siege der kaiserlichen Armeen bildeten nach der 160- jährigen Türkenherrschaft die Voraussetzungen für den Wiederaufbau der befreiten aber weitgehend entvölkerten und verwüsteten Gebiete. Durch die rückständige Wirtschaftsweise der Türken und durch die Jahrzehnte hin- und herwogenden Kämpfe war in Verbindung mit einigen Pestepidemien im Land nur mehr eine sehr spärliche Bevölkerung vorhanden und die Zerstörungen waren so gewaltig, dass es der mühevollen Anstrengungen mehrerer Generationen bedurfte, um diesen Zustand zu überwinden.

Die Bevölkerung des Königreichs Ungarn war auf 4 Millionen abgesunken, wobei man bedenken muss, dass das damalige Königreich Ungarn das dreifache seiner heutigen Fläche umfasste, so dass die Siedlungsdichte im landesweiten Durchschnitt weniger als 20 Köpfe je qkm betrug. Die am stärksten verwüsteten Teile des Landes im Süden und Osten hatten aber nur eine Bewohnerschaft von 2 bis 3 Einwohner je Quadratkilometer.

 

Für die Wiederbesiedlung der weitgehend entvölkerten Komitate im Süden und Osten waren in den nördlichen und nordwestlichen Teilen Ungarns, die ja von türkischer Besatzung frei geblieben waren, nicht genügend Menschen verfügbar. Als wirksamer Ausweg bot sich der Rückgriff auf das wirtschaftliche und technische Potential des Habsburgerreiches und auf das Menschenreservoir des Römisch-Deutschen Reiches an, dessen gewählte Kaiser in der Regel die Habsburger seit Jahrhunderten waren.

 

Hatte schon 1688 eine Wiederaufbaukommission unter dem Vorsitz des Kardinals Kolonitsch in einer  umfangreichen Denkschrift die Forderung. erhoben, dass vor allem die Wiederbesiedlung der weitgehend entvölkerten Gebiete, besonders der neuerworbenen, anzustreben sei, so wurde die Wiederbesiedlung vom Ungarischen Landtag in den Jahren 1722/23 zu einer Forderung des Landes mit Gesetzeskraft erhoben. Im entsprechenden Gesetzestext lesen wir vom Ersuchen der Ungarischen Stände (des Landtags) an Kaiser Karl VI: er möge gestatten, dass freie Personen jeder Art ins Land gerufen werden, die von jeder öffentlichen Steuer für 6 Jahre zu befreien sind und dass diese Freiheiten im ganzen Land verkündet werden. Ferner möge der Kaiser zusammen mit den Ständen des besagten Reiches in Erwägung ziehen, dass Patente im Heiligen Römischen Reich und auch in benachbarten Ländern und Provinzen bekannt gegeben werden, mit denen die Bevölkerung zur Ansiedlung in Ungarn unter günstigen Bedingungen aufgefordert wird.

 

Das wichtigste an diesen Gesetzestexten ist, dass durch die Wiederbesiedlung Ungarns mit Einwanderern aus dem Herrschaftsbereich des Kaisers niemand Land weggenommen wurde, sondern dass die Ansiedlungen im Einvernehmen, ja auf Wunsch der Landgeber erfolgten.

 

Im Verlauf des 18. Jh., das von Historikern mit voller Berechtigung als das "große Ansiedlungsjahrhundert" bezeichnet worden ist, gelangten etwa 200.000 Einwanderer aus verschiedenen österreichischen und deutschen Territorien in die Siedlungsgebiete Ungarns in seiner damaligen Ausdehnung. Die allerersten deutschen Einwanderer nach der Türkenzeit waren Bauhandwerker, die sich in den befreiten Festungen und Städten niederließen, wo sie für die Wiederherstellung der Befestigungsanlagen dringend benötigt wurden. Zu den Ansiedlern der Frühzeit gehörten auch Bergleute, Köhler, Forstleute und Zimmerleute aus den österreichischen Alpenländern Tirol, Steiermark und dem oberösterreichischen Salzkammergut, die im Banater Bergland verwendet wurden, um die dortigen reichen Kupfer-, Silber- und Eisenvorkommen sowie die dazugehörigen Hüttenbetriebe wieder in Gang zu bringen. In der Wiener Tageszeitung "Wienerisches Diarium" vom 24. Juni 1722 erschien damals eine Nachricht: über eine große Gruppe von Bergknappen aus Tirol mit ihren Angehörigen, die unterwegs in das Banat und in Wien eingetroffen waren. Wir lesen in dieser Ausgabe des "Wienerischen Diariums":

 

"Dieser Tage sind in etlichen Schiffen auf der Donau die durch den hochlöblichen Hofkriegsrat auf Verlangen des im Temeswarer Banat commandierenden Herrn Generals Mercy aus Tirol abgesandte Bergknappen samt Weib und Kindern bei 450 Köpfen mit Begleitung des Berggerichts-Schreibers Herrn Joseph Angerer, hier angelangt, um nach dem besagten Banat zu ziehen und bei Einrichtung  der alldort liegenden Bergwerke sich nieder zu lassen und gute Dienste zu thun."

 

Durch solche Maßnahmen konnten die Bergwerke zu neuer Blüte gebracht werden und spielten auch im Wirtschaftsgeschehen der Gesamtmonarchie eine wichtige Rolle. Auf Grund dieser Pionierleistungen konnte sich im Verlauf des 18. und 19. Jh. der Banater Bergdistrikt zur größten Industrieregion Südosteuropas mit einem bedeutenden Steinkohlebergbau und leistungsfähigen Eisen- und Stahlwerken entwickeln.

 

Es kann die Leistung dieser alpenländischen Einwanderer im Banat der kolonisatorischen Arbeit der Banater Schwaben, die das versumpfte aber fruchtbare Land zur Kornkammer der Monarchie umwandelten, würdig an die Seite gestellt werden. Reschitz, Steierdorf-Anina, Franzdorf, WeidenthaI, Wolfsberg und Lindenfeld sind, oder besser gesagt, waren, die wichtigsten Ansiedlungen der vornehmlich aus dem steirischen und oberösterreichischen Salzkammergut aber auch aus dem Böhmerwald ins Banater Erzgebirge gezogenen Berg- und Forstleute, die durch ihre Auswanderung ins Banat eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage anstrebten.

 

Es ist sehr zu bedauern, dass die geschichtlichen Leistungen dieser alpenländischen Ansiedler im Banat und deren nachhaltige und tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesamtregion so wenig bekannt sind, und es bleibt unfassbar, schrieb mir einmal ein Nachkomme dieser altösterreichischen Banater Volksgruppe, weshalb in solch geringer Zeitspanne diese Tatsachen dem Bewusstsein der Stammländer verloren gehen konnten.

 

Träger der bäuerlichen Kolonisation waren zunächst private ungarische Grundherren, die deutsche Bauern auf ihren Gütern ansiedelten, um diese bewirtschaften zu können. Im späten Verlauf des 18. Jh. nahm in den Ansiedlungsaktionen die zentrale staatliche Planung des absolutistischen  Zeitalters immer mehr eine Monopolsteilung ein und die Ansiedlungen erfolgten vornehmlich auf staatlichen Gütern.

 

Die aus verschiedenen Herkunftsgebieten Österreichs und Deutschlands stammenden Einwanderer entwickelten im Laufe ihrer Entwicklung durch ihr Zusammenleben und ihre gemeinsame Geschichte allmählich ein Stammesbewusstsein, so dass, wie bereits erwähnt, die Völkerkunde für sie eine eigene Stammesbezeichnung prägte.

 

Das Aufbauwerk nach der Türkenzeit ist ohne Zweifel als eine der großen Kulturleistungen des alten Österreich zu werten, zumal die grundsätzlichen Planungsrichtlinien und Impulse von den kaiserlichen zentralen Hofämtern in Wien ausgingen und die Staatskasse für die Ansiedlung beträchtliche Summen aufzuwenden hatte.

 

Die Einwanderungen, die sich über das ganze 18. Jh. erstreckten, erreichten in den Jahren 1723 bis 1726, dann 1764 bis 1771 und schließlich 1784 bis 1787 drei Höhepunke, die von einigen Historikern etwas irreführend auch als die "drei Schwabenzüge" bezeichnet wurden. Aber die habsburgische Südostkolonisation verlief über mehr als ein ganzes Jahrhundert weitgehend kontinuierlich.

 

Statt des vermeintlich gelobten Landes, wie es ihnen die Werber ausmalten, erwarteten die Wanderer vor allem in der Frühphase der Kolonisation, in den Bergwerken und Schmelzbetrieben des Banater Berglandes und in der sumpfigen Tiefebene harte Lebensbedingungen, die Generationen hindurch Anforderungen an sie stellten, denen viele Familien durch Seuchen, Krankheiten und Entbehrungen zum Opfer fielen.

 

Als ein positives Ergebnis konsequent verfolgter Siedlungspolitik konnte bereits nach wenigen Jahrzehnten eine beträchtliche Steigerung der landwirtschaftlichen und gewerblich-industriellen Produktion und damit auch des Steueraufkommens verbucht werden. Natürlich haben auch die anderen Völker des Donauraumes ihren angemessenen Anteil an dieser Entwicklung, doch waren die Donauschwaben - wie der österr. Schriftsteller Ernst Trost vermerkt - "in dieser vielstimmigen Völkerorgel durch Jahrhunderte der unentbehrliche Blasebalg“

 

So entstanden auf dem Gebiet des historischen Ungarn im Laufe des 18. Jh. mehrere donauschwäbische Siedlungsgebiete, so vor allem im Banat, der Batschka, in der sogenannten Schwäbischen Türkei ( das Gebiet zwischen Donau Theiß und Drau), aber auch in Sathmar am Oberlauf der Theiß, später auch in Slawonien, Syrmien, Kroatien und Bosnien.

 

Die Südostsiedlung war etwa am Anfang des 19. Jh. abgeschlossen, worauf eine Zeitspanne der Konsolidierung der neuen Ansiedlungen erfolgen konnte. Die erste Hälfte des 19. Jh. war geprägt von einer positiven wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung und dem Prozess der Anpassung an den neuen Lebensraum. Begünstigt wurde dieser Prozess durch die in diesen Jahrzehnten als Folge der Napoleonischen Kriege aufgekommene günstige Getreidekonjunktur im Zusammenhang mit dem Bedarf der Armeen an Brot- und Futtergetreide. So war es möglich, dass die Bauern für ihre Erzeugnisse gute Preise erhielten und sich wirtschaftlich festigen konnten. Doch hatten die Jahrzehnte des 19. Jhs. auch ihre Schattenseiten, denn widrige Umstände verwehrten den Donauschwaben damals die Heranbildung einer eigenständigen, führenden geistigen Schicht, da das erstarkende Madjarentum alle aus dem schwäbischen Bauerntum heranwachsenden geistigen Kräfte an sich zog, und das deutsche Bürgertum in den Städten jede Solidarität mit der schwäbischen Landbevölkerung vermissen ließ. Deshalb kam die Ausbildung eines neuen stammesspezifischen, den ganzen Siedlungsraum umfassenden Bewusstsein nur langsam voran, und dementsprechend konnte sich auch der Wille und die Kraft zum gemeinsamen Handeln als tragenden Volksgedanken erst sehr spät durchsetzen. Trotzdem waren für die Nachkommen der Siedler aus verschiedenen deutschen und österr. Herkunftsländern die zwischen ihnen bestehenden Gemeinsamkeiten in Sprache, Tracht, Kultur und Überlieferung auch auf überregionaler Ebene wirksam und der geschichtliche Ablauf zeigt, dass diese an Einheit und Selbstbewusstsein über ein ganzes Jahrhundert nur langsam wachsende Stammesgruppe, der auch ein eigenes Schulwesen verwehrt wurde, sich im großen und ganzen zäh und fest behaupten konnte.

Die Zeit der politischen Umwälzungen

Die politischen Umwälzungen des 19. Jh., die ihre Impulse aus den Ideen der französischen Revolution erhielten, erreichten im vierten Jahrzehnt des 19. Jh. mit ihren sozialen und vor allem auch nationalen Komponenten das Königreich Ungarn. 1848/1849 kam es nach dem Aufstand der Ungarn gegen das Herrscherhaus der Habsburger zur Proklamation einer unabhängigen ungarischen Republik. Gegen den Anspruch der Madjaren, dass es in diesem Staat nur eine einheitliche :ungarische Nation geben dürfe, erhoben sich die anderen Völker (Kroaten, Serben, Slowaken, Rumänen und Siebenbürger Sachsen) weil sie fürchteten vom madjarischen Nationalismus verschlungen zu werden. Der größte Teil der Donauschwaben, damals noch ohne eine eigene politische Führung, stand auf der Seite der Revolutionäre, weil diese die Forderung der Bauern nach der Befreiung von feudalen Zwängen (vor allem der Leibeigenschaft) vertraten. Dennoch können wir gerade im Gefolge dieser Auseinandersetzungen, die erste bedeutende politische Willenskundgebung im donauschwäbischen Bereich verzeichnen: die Bogaroscher Schwabenpetition vom 2. Oktober 1849 an den Kaiser mit der Forderung einer Versammlung von schwäbischen Bürgermeistern des Banats für die Errichtung einer eigenständigen Selbstverwaltung unter einem deutschen Oberhaupt. Danach mussten wieder über 50 Jahre vergehen, bis eine weitere gemeinsame politische Aktion auf gesamtregionaler Ebene möglich und die Zeit reif war für die Gründung der "Ungarländischen deutschen Volkspartei" im Jahre 1905.

Zunächst aber trug die Epoche des habsburgischen Neoabsolutismus in Ungarn von 1849 bis 1867, die an die Niederschlagung der Revolution unmittelbar anschloss, nur wenig zu einer Festigung des donauschwäbischen Volksbewusstseins bei. Nach dem Ausgleich des Jahres 1867 zwischen dem Haus Habsburg und den Ungarn und der Schaffung der neuen Donaumonarchie (nunmehr unter der Bezeichnung Österreich-Ungarn) verschärfte sich der Konflikt der Madjaren mit den nichtmadjarischen Nationalitäten Ungarns, die im Lande zahlreicher waren als die Madjaren selbst. Wie die anderen Nationalitäten, setzten sich auch die Donauschwaben zur Wehr gegen die mit Vehemenz betriebene Madjarisierung und Assimilation, für die man mit der Schul- und Sprachengesetzgebung eine wirksame minderheitenfeindliche Handhabe geschaffen hatte.

Das donauschwäbische Dorf

Die weiten Flächen des mittleren Donauraumes ermöglichten es, den für das Siedlungswerk Verantwortlichen bei der Planung der neuen Dörfer großzügige Maßstäbe anzuwenden. In den neuen Dorfgründungen wurden ab etwa 1760 die Form der Dorfflur, die Anlage des Dorfes selbst und der Häuser von vornherein planmäßig bestimmt. Die mittleren und größeren Dörfer erhielten eine planvoll geometrische Form einen schachbrettartigen Grundriss mit Längs- und Quergassen und dehnten sich ungehindert in die Weite. Die damals entstandenen Dorfformen und die Gestaltung der Gewannflur wurden später auch von den anderen Völkern dieses Raumes übernommen.

Die donauschwäbischen Dörfer mit ihren Gehsteigen, den mit Maulbeer- oder Akazienbäumen bepflanzten und gekehrten Gassen, regelmäßig geweißten Häusern usw. waren ein Muster an Sauberkeit mit einer stark entwickelten Nachbarschaftsbindung und kulturellem Eigenleben. Das Dorf war die wesentliche Zelle des völklichen Lebens der Donauschwaben, denen auf allen Arbeitsgebieten der Ruf vorausging, fleißig, tüchtig, zuverlässig, ruhig und besonnen zu sein.

Die Herkunft der Donauschwaben

Mit dieser Frage haben sich mehrere Historiker im 19. und 20. Jh. befasst, und zur Klärung dieser nicht einfachen Frage beigetragen. Ein grundlegendes Werk darüber erschien in den dreißiger Jahren des vorigen Jh. von Franz Wilhelm und Josef Kallbrunner mit dem Titel das auf Grund der Durchwanderungsakten der Wiener Archive mit den dort erfassten Ansiedlern und ihrer Herkunftsorte entstanden ist. Obwohl die erfassten und ausgewerteten Quellen nicht lückenlos sind, kann zusammenfassend die Aussage gemacht werden, dass ein Drittel fränkischer (pfälzischer, lothringischer), ein weiteres Drittel byrischer (österreichischer, sudetendeutscher) und ein Viertel schwäbischer (elsässischer, badensischer) Herkunft sind, wogegen der Rest sich auf andere deutsche Stämme verteilt.

Die Mundarten

Die uneinheitliche Herkunft der Siedler aus verschiedenen Herkunftsgebieten liefert die siedlungsgeschichtliche Erklärung dafür, dass sogenannte Misch- oder Siedlungsmundarten überwogen. Erst im Laufe der Zeit hat sich in den Dorfschaften eine einheitliche Sprechweise entwickelt, die aber von Dorf zu Dorf verschieden war.

Vielfach setzte sich das Rheinfränkische als stärkste Mundart durch und verdrängte wegen seines einfacheren Laut- und Formsystems die oberdeutschen Mundarten. Im Banat und der Batschka entwickelte das Pfälzische eine lebenskräftige Dominanz. Bayerisch-Österreichische Mundarten wurden hauptsächlich in Ungarn im Ofener Bergland, im Schildgebirge und im Bakonyer Wald gesprochen.

Die Zeit von 1918 bis 1945

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns im Jahre 1918 wurden die Heimatgebiete der  Donauschwaben zerrissen und unter die Nachfolgestaaten Ungarn, Jugoslawien und Rumänien mit jeweils einem Drittel ihrer Volkssubstanz aufgeteilt. Die fortgeschrittene Entwicklung einer bewussten allumfassenden Stammesbildung erfuhr so einen Rückschlag. Sie mussten sich mit den neuen politischen Verhältnissen, so gut es ging, abfinden und in den jeweiligen Staaten ihren besonderen Weg gehen. 

 Es würde den Rahmen dieses Vortrages sprengen, auf die Entwicklungen der 20iger und 30iger Jahre nach dem ersten Weltkrieg in allen drei Staaten einzugehen. Wir müssen uns daher auf eines dieser Länder, nämlich Jugoslawien beschränken, schon aus dem einfachen Grunde, weil die Mehrheit der in Oberösterreich heimisch gewordenen donauschwäbischen Flüchtlinge aus diesem Lande gekommen ist.

Wir blenden also zurück in das Jahr 1918. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns rückten serbische und französische Truppen in die Siedlungsgebiete der Donauschwaben im Banat, der Batschka und in Syrmien-Slawonien ein, ohne dass es bis auf wenige Ausnahmen zu ernsten Zwischenfällen kam. Diese Gebiete gehörten aber bis zum Abschluss des Friedensvertrages in St. Germain völkerrechtlich noch zu Ungarn. Die deutsche Bevölkerung stand vollkommen unvorbereitet vor einer neuen Lage. Die Uneinheitlichkeit ihrer stammlichen Herkunft aus verschiedenen Gebieten des alten Reiches so wie die kulturellen, sozio-ökonomischen Bedingungen hatten es ihnen bisher verwehrt, ein gefestigtes Gruppenbewusstsein auszubilden, wie auch das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Kulturgemeinschaft des gesamtdeutschen Volkes nur sehr schwach ausgeprägt war. Das Banat, die Batschka, Syrmien und Slawonien so wie große Teile des Banats standen nach 1918 zunächst unter dem Okkupationsregime, das sich auf serbische und französische Besatzungstruppen stützte. Den neuen Machtverhältnissen ausgeliefert und sich selbst überlassen konnten sie weder mit dem Verständnis noch der Hilfe der Machtfaktoren auf internationaler Ebene rechnen. Ihre Stammländer aber, Österreich und Deutschland waren Kriegsverlierer und hatten kein Mitspracherecht auf internationaler Ebene. Kein Wunder, dass sich in ihren Reihen zunächst ein Gefühl der Niedergeschlagenheit und der Ratlosigkeit ausbreitete. Sie hätten es vorgezogen, auch weiterhin zusammen und ungetrennt in einem gemeinsamen Staat zu leben, doch sollte sich die Hoffnung, dass der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, wie es vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson vertreten wurde, auch für sie Gültigkeit haben würde, als vergeblich erweisen.

 In den Verband des Königreiches SHS, des später als Jugoslawien bezeichneten Staates gelangten 1918 vier Bevölkerungsgruppen deutscher Muttersprache aus verschiedenen Teilen der ehemaligen Österr.-Ung. Monarchie, die sich nach Herkunft, dem Zeitpunkt und der Art ihrer Einwanderung, ihrer soziologischen Struktur und in gewissem Ausmaß auch der stammlichen Zugehörigkeit voneinander unterschieden und bisher nur schwache oder überhaupt keine Verbindung miteinander unterhielten. Nach der Volkszählung von 1921 fielen von den insgesamt 513.472 Deutschen des gesamten Staatsgebietes auf diese 4 Hauptgruppen: Die ehemals südungarischen Deutschenden des Banats, der. Batschka und der Baranja mit 328.173, die Deutschen in Slawonien und Syrmien mit 122.836 Personen, die Deutschen in Slowenien mit 39.631 und die Deutschen in Bosnien mit 16.461 Personen. Der Rest verteilte sich auf andere Regionen und die Stadt Belgrad.

 Hinsichtlich des endgültigen Grenzverlaufes des neuen Staates bestanden noch ernste Differenzen, namentlich im Banat, da dieses Gebiet zur Gänze sowohl von Rumänien wie auch vom SHS Staat beansprucht wurde. Der Gegensatz zwischen Rumänien und dem neuen südslawischen Staat war entstanden, weil die Alliierten noch während des Krieges beiden Völkern sich widersprechende Gebietszusagen gemacht hatten. Der Konflikt drohte sogar zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zu führen, so dass sich die Alliierten auf der Friedenskonferenz in Paris entschlossen, das Banat zu teilen. Die politischen Interessen der deutschen Bevölkerung Südungarns wurden vom Schwäbischen Nationalrat wahrgenommen und von einer großen schwäbischen Voksversammlung in Temeswar vertreten, die das "Schwäbische Manifest" erließ, die Untrennbarkeit der deutschen Siedlungsgebiete des Banats und der Batschka proklamierte, eine Volksabstimmung über das Schicksal ihrer Siedlungsgebiete forderte und im August 1919 auch eine Abordnung zu den Friedensverhandlungen nach Paris entsandte, um diese Forderungen dort zu vertreten. Der oberste Rat der Pariser Friedenskonferenz aber entschied sich auf Grund des serbisch-rumänischen Gegensatzes zu einer Teilung des Banats. Dennoch war das Erscheinen einer schwäbischen Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz von Bedeutung, wurde doch vor der Weltöffentlichkeit demonstriert, das eine Volksgruppe der Donauschwaben existiert, diese einen eigenen nationalen und politischen Willen vertreten und die Anwendung des Völkerrechtes auch für sich fordern.

Das Entstehen der deutschen Organisationen und deren Entwicklung

Der Nationalgedanke des 19. Jhs. hatte die Donauschwaben im Gegensatz zu ihren Nachbarn nur am Rande erfasst.. Wenn auch das im letzten Viertel des 19. Jhs. verstärkt einsetzende nationale Erwachen, die Erfahrung der Weltkriegsgeneration von der Bedeutung und der Verbreitung der deutschen Sprache und ~ damit verbundene Erkenntnis, einem großen Kulturvolk anzugehören, so wie auch die Entwicklung nach Kriegsende, die von den nationalen Befreiungsbewegungen ihrer Nachbarvölker gekennzeichnet war, zu einer gewissen Festigung ihres Volksbewusstseins beigetragen hatten, so war dieses dennoch - verglichen mit ihren Nachbarvölkern - unfertig, schwach ausgeprägt und von einer Konsolidierung noch weit entfernt.. Es bestand für sie ein verständlicher Nachholbedarf; trotzdem wurden sie deshalb von ultranationalistischen Elementen der Staatsvölker angefeindet.

Ihre damals führenden Köpfe, eine kleine Gruppe junger Akademiker, die ihre Ausbildung an österreichischen oder deutschen Universitäten erhalten hatten und von national konservativen oder nationalliberalen Anschauungen geprägt waren, erkannten die dringende Notwendigkeit, durch eine umfassende, alle ihre Wohngebiete erfassende Organisation auf nationaler und kultureller Grundlage ein Instrument ihres Selbstbehauptungswillens im neuen  Staat zu schaffen. Es kam zur Gründung des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes der nach Verhandlungen mit den Behörden die Genehmigung für seine Statuten bewilligt erhielt. Die Gründung des Kulturbundes erfolgte in Gegenwart von 2.000 Delegierten aus allen Teilen des Landes am 20. Juni 1920 in Neusatz (Novi Sad). Generalsekretär der Organisation wurde  Dr. Georg Graßl; auf dessen Schultern die Hauptarbeitslast der erfolgreichen Tätigkeit der kommenden Jahre gelegt wurde und dem der Erfolg der ersten Jahre zu verdanken ist. Der Kulturbund versuchte sein Programm in prägnanten Kurzformeln zusammenzufassen und unter der deutschen Bevölkerung zu verbreiten. Eines dieser Schlagworte lautete:

Muttersprache - Heimat - Väterglaube und ein weiteres: Staatstreu und Volkstreu.

Dieser zweite prägnante Wahlspruch des Kulturbundes sollte den Standort der neuen Organisation im Spannungsfeld zwischen dem neuen Vaterland und dem eigenen Volkstum präzisieren. Er betonte nicht nur die Verteidigung der eigenen Identität sondern auch die loyale Haltung der Deutschen gegenüber ihrem neuen Vaterland. Bis zum Jahre 1924 konnten im Banat, der Batschka und in Syrmien 128 Ortsgruppen gegründet und 55.000 Mitglieder gewonnen werden.

Die fruchtbare und erfolgreiche Anfangsphase des Kulturbundes dauerte von 1920 bis 1924, als am 11.  April 1924 vom Innenminister ein Tätigkeitsverbot für den Kulturbund verhängt wurde. Die offizielle aber nicht stichhaltige Begründung der Behörden war, dass der Kulturbund den in den Satzungen festgelegten Tätigkeitsbereich überschritten hätte. Außerdem sollte diese Maßnahme als Repressalie für die behauptete schlechte Behandlung der slowenischen Volksgruppe in Kärnten dienen. In Wirklichkeit wollte man die Kulturpolitischen Bestrebungen der Minderheiten zu diesem Zeitpunkt rigoros einschränken, nachdem sich die außenpolitische Lage des neuen Staats bereits gefestigt hatte. Die Schutzbestimmungen des Minderheitenschutzvertrages, den der SHS-Staat als Gegenleistung für die Anerkennung seiner Grenzen durch die Großmächte hatte unterzeichnen müssen, wurden einfach übergangen und fanden keine Berücksichtigung durch die Gesetzgebung des neuen Staates.

Einigermaßen erfolgreich agieren konnte auch die Partei der Deutschen im ersten Jahrzehnt des neuen Staates bis etwa 1929. Das war eine reine parteipolitische Organisation die in mehreren Wahlen genügend Abgeordnete für das Belgrader Parlament gewann, so dass sie eine eigene Parlamentsfraktion bilden konnte, auf deren Stimmen die Regierungsmehrheit angewiesen war. Aber auch sie musste 1929 ihre Tätigkeit einstellen, als König Alexander nach einem Staatsstreich das Parlament auflöste und alle Parteien verbot, die keine gesamtjugoslawischen Zielsetzungen verfolgten.

Die Auseinandersetzungen und Richtungskämpfe innerhalb der deutschen Volkgruppe in den dreißiger Jahren

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahre 1933 versuchte das Dritte Reich zunehmend Einfluss auf die deutschen Volksgruppen im Ausland zu gewinnen. Dieses bedeutende aber auch heikle Thema kann man nicht mit ein paar Hinweisen innerhalb von 5 oder 10 Minuten erschöpfend behandeln, so dass ich hier nicht darauf eingehen kann, aber nicht um einer unangenehmen Frage aus dem Wege zu gehen. Dieses Thema haben Dr. Georg Wildmann und ich selbst in einer ausführlichen Darstellung im Umfang von etwa 180 Seiten behandelt, die den Titel trägt: Die Donauschwaben in der Zwischenkriegszeit und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus. Darin wird auf diese Problematik ausführlich eingegangen.

In den dreißiger Jahren des 20. Jhs. kam es in diesem Zusammenhang zu heftigen jahrelangen Auseinandersetzungen und Richtungskämpfen zwischen der Bewegung der sogenannten Erneuerer, die den Einflüssen des Dritten Reiches offen gegenüberstanden oder sie sogar förderten und dem Kreis um die bestehende Kulturbundführung, der sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gegen die Erneuerer wandte und sie aus dem Kulturbund ausschloss. So kann man, wenn wir einen zusammenfassenden Überblick dennoch wagen wollen, sagen, dass das Verhältnis der deutschen Volksgruppe zum Nationalsozialismus in Jugoslawien in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre uneinheitlich war. Zwischen ideologisch ausgerichteten, radikalen Anhängern und kompromisslosen Gegnern gab es verschiedene Abstufungen: darunter jene, die meinten, dass Eintreten für das eigene Volk sei schon Nationalsozialismus, einfache Bewunderer Hitlers wegen seiner politischen Erfolge aber ohne Bindungen an seine Ideologie und schließlich die Skeptiker, die sich unentschlossen und distanziert verhielten.

Aber wie gesagt, wenn man sich ein authentisches Bild von den damaligen geistigen Strömungen und Richtungskämpfen machen will, sollte man schon auf die ausführlichen Darstellungen des genannten Buches zurückgreifen, die bemüht sind, alle Hintergründe und Ursachen zu durchleuchten. Man muss auch bedenken, dass sich die deutsche Minderheit Jugoslawiens von der deutschen Regierung, unabhängig von deren parteipolitischen Ausrichtung eine Unterstützung für ihre brennenden kulturellen Forderungen, vor allem hinsichtlich des deutschen Schulwesens erhoffte, nachdem Jugoslawien nicht gewillt war, die Bestimmungen des Minderheitenschutzvertrages zu erfüllen und die deutschen Abgeordneten im Belgrader Parlament mit ihren Forderungen immer auf verständnislose Ablehnung stießen.

Die Rede Hitlers vom 6. Oktober 1939, in der er seine Absicht kundgab, die südostdeutschen Volksgruppen ins Reich zurückzuholen, um zwischenstaatliche Reibungsflächen auszuschalten, stieß bei den Jugoslawiendeutschen auf allgemeine Ablehnung und hat die Volksgruppenführung in ihrem Streben nach mehr Eigenständigkeit zweifellos bestärkt. Der deutsche Gesandte in Belgrad, von Heeren, sah sich veranlasst, die amtliche Klarstellung in den  Zeitungen zu veröffentlichen, in der festgestellt wurde, dass eine Umsiedlung aus Jugoslawien keineswegs aktuell sei, und selbst wenn sich solche Maßnahme als wünschenswert erweisen sollte, würde sie nur mit voller Zustimmung der jugoslawischen Regierung und unter Berücksichtigung der vollen Freiwilligkeit jedes Einzelnen erfolgen.

Im Frühjahr des Jahres 1941 trat Jugoslawien unter dem Druck der deutschen Regierung dem Dreimächtepakt bei. Gegen diesen Beitritt opponierten hohe Offiziere um den Luftwaffengeneral Simovic und organisierten auf Betreiben Englands einen Staatsstreich, indem sie die bisherige Regentschaft und die Regierung absetzten und den noch nicht volljährigen Trohnfolger als König Peter II. in den Sattel hoben. Hitler, damals mit den Vorbereitungen für den Krieg gegen Russland beschäftigt, reagierte impulsiv und wütend auf diesen Umschwung der Dinge und befahl den Einmarsch in Jugoslawien, das in kurzer Zeit militärisch niedergeworfen wurde. Jugoslawien wurde zerschlagen und sein Gebiet auf Kroatien, Ungarn, Italien, Deutschland, Bulgarien und das militärisch okkupierte Banat sowie Restserbien aufgeteilt. Damit hatte das Kriegsgeschehen auch die Jugoslawiendeutschen eingeholt, die nunmehr als Soldaten der genannten Länder zum Kriegseinsatz herangezogen wurden, auch und vor allem durch das Deutsche Reich. Im Banat kam es zur Aufstellung der SS-Division Prinz Eugen, in das die Militärdiensttauglichen des Banats verpflichtend eingezogen wurden, obwohl diese Division die nicht zutreffende Bezeichnung "Freiwilligendivision" trug. Damit wollten die deutschen Militärbehörden das Völkerrecht umgehen, das die zwangsweise Heranziehung der Bevölkerung von besetzten Gebieten zum Militärdienst der Besatzungsmacht untersagt. Auch mit anderen Staaten so Z.B. Kroatien, Ungarn und Rumänien schloss die Reichsregierung zwischenstaatliche Abkommen, um die Angehörigen der deutschen Volksgruppen für die Wehrmacht und die Waffen-SS verwenden zu können, das alles unter dem Deckmantel einer deklarierten Freiwilligkeit.

Als im Herbst 1944 die rote Armee bis zu den donauschwäbischen Siedlungsgebieten vordrang und die Partisanen Titos die Macht ergriffen, war das Ende der Donauschwaben in ihren bisherigen Heimatgebieten gekommen. Von den knapp 510.000 Donauschwaben Jugoslawiens zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren im Herbst 1944 ein großer Teil nach Österreich und Deutschland geflüchtet, aber rund 195.000 Personen unter die Herrschaft des kommunistischen Partisanenregimes Josip Broz Titos gefallen. Die unmittelbar nach dem Abzug des deutschen Militärs einsetzenden Rache- und Vergeltungsmaßnahmen an der wehrlosen deutschen Zivilbevölkerung, die mehrheitlich aus Frauen, Alten und Kindern bestand, die "Aktion Intelligenzija", und die Folgen der im Dezember 1944 durchgeführten Deportationen nach Russland von 13.000 Donauschwaben (überwiegend Mädchen und Frauen) forderten einen Tribut von 11.000 Todesopfern. Der Beschluss des A VNOJ (Antifaschistischer Rat für die Volksbefreiung Jugoslawiens) in Wirklichkeit ein Parteigremium der Tito-Partisanen, verfügte am 21. November 1944 die entschädigungslose Enteignung sämtlicher Vermögenswerte aller Deutschen, mit Ausnahme jener, die in den Reihen der Partisanen gekämpft hatten, entzog ihnen die bürgerlichen Rechte und behandelte sie als "Volksfeinde". Das sollte für die Betroffenen durch die bald darauf einsetzenden Internierungen katastrophale Folgen haben. Nur etwa 9.000 Angehörige der deutschen Volksgruppe konnten sich der Internierung entziehen, vornehmlich solche aus Mischehen, Angehörige von deutschen Kommunisten oder solche, die mit den Partisanen zusammengearbeitet hatten.

Von den 167.000 internierten Zivilpersonen gingen in den Arbeits- und Todeslagern rund 50.000 durch Hunger und Seuchen zu Grunde. Zu diesen Opfern muss man nach vorsichtigen Schätzungen etwa 5.000 als Kriegsgefangene unmittelbar nach Kriegsende in Jugoslawien ermordete donauschwäbische Soldaten hinzuzählen, so dass sich die Gesamtzahl der Opfer des Völkermordes" den das Tito-Regime an den Donauschwaben seinesStaatsgebietes verübte, auf etwa 65.000 beläuft. Darüber gibt es eine umfangreiche Dokumentation.

Auf Grund dieser Opferbilanz ist es berechtigt, von einem Völkermord an der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien im Sinne der UNO-Konvention vom 9.12.1948 zu sprechen. "Dass im Zuge der Ausrottungspolitik des Tito-Regimes in den Vernichtungslagern so viele schuld- und wehrlose Menschen qualvoll sterben mussten, ist ein schmerzlicher Tatbestand für die Überlebenden, ebenso wie die bittere Erkenntnis, dass dieser Genozid an den Donauschwaben unter den Augen jener demokratischen Mächte des Westens geschehen konnte, die gegen Unrecht und für Humanität in den Krieg gezogen waren. Noch viel schlimmer für die Überlebenden aber ist, dass diese vor 60 Jahren auf grausame Weise in Jugoslawien durchgeführte ethnische Säuberung weithin bewusst tabuisiert wird.

Wir alle wissen und beklagen zutiefst, dass vom Siedlungswerk des alten Österreich durch die Folgen und Auswirkungen des zweiten Weltkrieges leider nur Trümmer übriggeblieben sind. Von den insgesamt über 1 1/2 Millionen Nachkommen jener Ansiedler des 18. Jh. im Mittleren Donauraum leben etwa 120.000 heute in Österreich.

Da nun die Geschichte diesen von mir skizzierten Lauf genommen hat, stellt sich zwangsläufig für uns die Frage, ob denn im Ablauf dieser Geschichte ein Sinn für die Betroffenen selbst erkennbar ist?

Mit dieser brennenden Frage hat sich der in Linz lebende Autor und Publizist Dr. Georg Wildmann in seiner Abhandlung "Vom Sinn der donauschwäbischen Geschichte" befasst. Er kommt nach sorgfältiger Abwägung aller Gegebenheiten zum Ergebnis, dass diese Frage trotz allem bejaht werden kann, und er liefert dafür folgende Begründung:

Es gibt drei Bereiche der menschlichen Existenz, die grundsätzlich den Zugang zu der Erfahrung einer Sinnhaftigkeit eröffnen:

1.  der Bereich des Guten und Moralischen, dann

2.  die Sinnerfahrung des erfüllten Lebens und schließlich

3.  der Bereich des menschlichen Gestaltens.

Wenn man diese individuellen Sinnbereiche, die für den Einzelmenschen gelten, auf eine Volksgruppe überträgt und untersucht, inwieweit sie im Verlauf ihrer Geschichte in der Lage war, diesen Sinnbereichen nachzuleben, - kann man eine Antwort auf die gestellte Frage erhalten.

So konnte Wildmann als Ergebnis seiner Überlegungen die Feststellung treffen, "dass die Donauschwaben (so wie im Übrigen auch alle anderen südostdeutschen Gruppen) in ihrer Lebenswelt und Eigenkultur Erfüllung und Beglückung erfuhren und im Ökonomischen gute, ja vorbildliche Arbeit geleistet haben.". Sie waren schließlich auch bemüht, den Auftrag, der ihnen von der Geschichte zugedacht war, nach besten Kräften zu erfüllen, der darin bestand, "ein altes europäisches Kulturland nach der Türkenzeit mit der Pflugschar wiederzuerobern und der germanisch-madjarisch-westslawischen Kulturgemeinschaft neues Leben zuzuführen".

Sein Resümee: So können wir von uns und unseren Vorfahren sagen:

"Wir haben mi großem kolonisatorischen Einsatz und im Wesentlichen auch mit hohem sittlichen Anstand den Sinn unserer Geschichte erfüllt".