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Das Barackenlager Haid 1941 – 1964

Hr. Mag. Tomic (32) hat für seine Diplomarbeit an der kath. theologische Privatuniversität Linz die Geschichte dieses Lagers dokumentiert. Seit dem Jahr 1946 waren in diesem Lager durchwegs volksdeutsche Flüchtlinge, hauptsächlich aus Jugoslawien und Rumänien untergebracht. Bis zu 5000 Menschen lebten auf engstem Raum in über 100 Holzbaracken im größten Flüchtlingslager OÖ.

Das Interview mit Hr. Tomic führte Johannes Fellner am 20.02.2010 in Wels.

Fellner: "Wie kam es dazu, dass Sie dieses Thema gewählt haben?"

Tomic: "Ich verbrachte in Haid im Jahr 2002 mein Studien-Auslandsjahr, und habe in dieser Zeit im Pfarrhof gewohnt. Die Menschen in der Pfarre haben mir immer wieder vom Lagerleben „damals“ erzählt. So ist mein Interesse gewachsen, diese gesellschaftliche Entwicklung vom Barackenlager zum modernen städtischen Wohngebiet zu beschreiben.

Fellner: "Sie sind ja auch im selben Land geboren wie viele der Vertriebenen, hat das auch eine Rolle gespielt?"

Tomic: "Ja schon, mit vielen kann ich mich ja in meiner Muttersprache unterhalten. Weiters gibt es in den Essgewohnheiten Gemeinsamkeiten, wie z.B. „Tepsi Krumpira“bzw." Krompir iz tevsije"."

Fellner: "Was hat sie am meisten überrascht beim recherchieren?"

Tomic: "Überraschend war, dass in Österreich sehr wenig über das Schicksal der Donauschwaben bekannt ist."

Fellner: "In ihrem Buch weisen sie darauf hin, dass die Kirche eine wichtige Funktion im Lager hatte."

Tomic: "Die Barackenkirche wurde zum Mittelpunkt eines intensiven religiösen Lebens im Lager. Besonders erwähnenswert ist der Einsatz von Pfarrer Paul Wagner. Selber Flüchtling, teilte er das Schicksal mit seinen Landsleuten, wohnte in einer Baracke, fror und hungerte mit Ihnen."

Fellner: "Sie haben ja heute auch noch regelmäßig Kontakt zu der Pfarre Haid."

Tomic: "Das stimmt, es ist ein Stück Heimat für mich geworden, und ich fühle mich den Menschen dort sehr verbunden."

Fellner: "In Ihrer Arbeit wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Zusammenhalt damals sehr groß gewesen ist."

Tomic: "Das Leben im Lager war sehr prägend für die Haider Bevölkerung. Immer wieder hört man, wie schön die gemeinsame Zeit gewesen ist, wiewohl die Menschen mit sehr wenig auskommen mussten. So kommen auch jetzt noch viele ehemalige Haider Lagerbewohner aus aller Welt zu den „Haider Treffen“."

Auszüge aus der Diplomarbeit siehe hier (996 KB)

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